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Unser Hund bringt uns zum Energie sparen

Thomas D von den Fantastischen Vier lebt umweltbewusst auf einem Hof in der Eifel. Sein kleiner Welpe brachte ihn sogar dazu, weniger zu heizen. 

Ist es ökologisch sinnvoll, auf einem Hof zu leben, der von der nächsten Großstadt zwei Stunden entfernt liegt? Bei vielen von uns schwingt das Pendel zwischen ökologischem Willen und purer Versuchung von verlockenden Konsumgütern massiv hin und her – oft mehrmals täglich. Die Komfortzone der Großstadt bringt neben jeder Menge Krach und Dreck ja auch unendliche Angebote – von ökologisch erzeugten Lebensmitteln bis hin zur Möglichkeit, alles per Fahrrad oder öffentlichem Nahverkehr zu erledigen. 

Um die Jahrtausendwende wollte Thomas D eigentlich zusammen mit 15 Freunden eine große WG als alternative Lebensform in der Nähe von Köln kaufen. „Eine halbe Stunde Fahrzeit fanden wir okay“, erzählt er. „Doch wir merkten schnell, dass es weder mit 30 Minuten noch mit 60 Minuten Entfernung eine bezahlbare Option gab. Nach langer Suche fanden wir schließlich ein Ensemble aus fünf Häusern plus Stall – eineinhalb Stunden von Köln entfernt.“ Thomas D, weithin bekannter Musiker der Fantastischen Vier, ging über den Hof und versuchte, sich vorzustellen, 50 Jahre lang über diesen Hof zu gehen, irgendwann vielleicht mit Krücken oder gar Rollator. „Und da war klar: Ja, das ist es! Es ist einfach mein Traum und ich freue mich immer noch jeden einzelnen Tag darüber.“

Anstatt einer Liste mit möglichen Vor- und Nachteilen hat der Musiker einen Herzens-Check gemacht, sicherlich die ehrlichere Version. „Ich weiß, dass ich, solange ich lebe, immer den weiten Blick auf die hinter dem Haus liegende Wiese und den dahinter liegenden Wald genießen darf.“ Nichts würde diesen wunderbaren Horizont jemals stören – und diese Lebensqualität, diese göttliche Ruhe, diese immerzu frische Luft, all das würde Thomas für kein Stadthaus der Welt eintauschen. Inzwischen hat er mit seiner Frau zwei Kinder, andere Mitstreiter haben ebenfalls Familie gegründet, dafür sind einige der ursprünglichen Bewohner jobbedingt wieder in Großstädte gezogen.

„Natürlich war uns klar, dass wir hier für alles und jeden das Auto benutzen müssen.“ Doch diese Negativpunkte auf der eigenen Ökobilanz dürfte der fröhliche Familienvater durch seine bewusste Lebensweise längst ins Positive gewandelt haben. „Bis heute habe ich einmal alles renoviert: zuerst das Dach, durch das wir anfangs viel Energie verloren haben, dann die Fenster, schließlich die Ölheizung. Jetzt heizen wir mit Klima schonenden Pellets. Auf dem Dach gibt’s nicht nur Solarzellen sondern sogar eine Photovoltaikanlage, die für warmes Wasser sorgt.“ Eine Entkalkungsanlage schenkt weicheres Wasser, das durch den zusätzlich eingebauten „Energetisierer“ doppelt so gut schmeckt.

Sein unermüdliches Engagement hat ihm 2016 den Sonderpreis Musik bei den GreenTec Awards beschert, eine Auszeichnung mit enormer Reichweite. Denn der Hip Hop König achtet nicht nur bei den baulichen Faktoren seines Traumhauses auf möglichst geringe Umweltbelastung, sondern ernährt sich zudem größtenteils vegan. Das geht wunderbar in seiner Idylle, auf Touren wird es schwieriger. Er macht keinen Hehl daraus, wie er vieles, was Menschen an Grausamkeiten zu tun imstande sind, verabscheut – sei es nun Tieren, der Natur oder besonders anderen Menschen gegenüber. 

Dreht er auch mal den Temperaturregler der Heizung nach unten, um Energie zu sparen? „Wir mochten es immer ganz gerne schön warm“, lacht der beliebte Musiker. „Doch unser neuer, junger Hund schwitzt mit seinem wuscheligen Fell so stark auf der Fußbodenheizung, dass wir jetzt wirklich die Heizung niedriger stellen.“

Gekocht wird mittels einer Gasflasche, die monatelang reicht, eingekauft wird möglichst unverpackt. Bei der Anzahl von drei Kühlschränken mag man schmunzeln, doch sie sind allesamt Geräte der Energiestufe A++. Seitdem hält das Gemüse viel länger. „So versuchen wir, Müll zu vermeiden“, erklärt Thomas D. Was tut der Musiker gegen die gedankliche Vermüllung? „Gedankenhygiene ist extrem wichtig, aber die hat uns keiner beigebracht!“ Am besten funktioniert sie gerade bei einem Spaziergang mit dem Hund, dessen Lebensfreude sofort überspringt, wenn dieser überglücklich durchs Gras jagt.

Die positive Schwingung im Hause spüren sämtliche Gäste, die den Weg in die abgelegene Idylle finden. Sie bietet im Gegensatz zur Großstadt durchgehend Raum für Kreativität – für einen Künstler unverzichtbares Gut. In seinem Haus findet er genauso wie im eigenen Studio, das ursprünglich der Stall war, genügend Ruhe zum Song schreiben. Hauptsache, er ist ungestört. Jetzt müssen nur noch die Hammertexte entstehen – nach 30 Jahren eine echte Herausforderung. Doch für einen Vollblutmusiker, der sich so viele Gedanken macht, auch gleichzeitig das größte Glück!

Fakten

Fakten

Thomas Dürr, geboren am 30.Dezember 1968 in Ditzingen, begann nach seinem  Realschulabschluss eine Friseurlehre. 1986 gründete er mit seinen Bandkollegen das „Terminal Team“ und 1989 „Die Fantastischen Vier. Der Name „Die Fantastischen Vier“ ist einem Marvel Comic entnommen. Ausgezeichnet wurde Thomas D unter anderem mit dem Verdienstorden von Baden-Württemberg, mehreren Echos und dem GreenTec Award. Auf seinem Hof in der Eifel betreibt er das Musiklabel „One Artist“. 

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Journalist

Katja Deutsch

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