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Schlamm, Schweiß und Tränen: ich will mehr davon! – Bear Grylls

Bear Grylls ist leidenschaftlicher Survival-Experte, den es in die unmenschlichsten Gegenden unserer Erde zieht. Weitab von jeglichem Minimalanspruch an Komfort trainiert er blankes Überleben. 

Durch die Abenteuer mit meinem Vater lernte ich schon früh den Wert des Lebens schätzen.

Ohne gute Schuhe geht gar nichts. Selbst als durchtrainierter, furchtloser und kampfsporterprobter ehemaliger Soldat der britischen Spezialeinheit SAS braucht man vier Dinge: erstklassige, superstabile, und vor allem eingelaufene Wanderstiefel mit extrem stabiler Sohle und Schnürsenkeln, zudem Wasserflasche, scharfes Messer und Feuerstein. Kleidung gehört natürlich auch dazu, ist aber nicht so elementar wie die Schuhe, denn mit verletzten Füßen gestaltet sich der Überlebenskampf in der Wildnis schwierig. Ausreichend Wasser ist überlebenswichtig, ein Messer hilft beim Fallenbau und der Feuerstein ist verlässlicher als ein Feuerzeug. Bear Grylls hat nur zehn Minuten Zeit, gleich muss er sich wieder auf den Weg machen und Abenteuer bestehen. Aber den Schnürsenkel-Trick möchte er uns doch erklären:

„Die Schnürsenkel dienen nicht nur dazu, meinen Füßen und Knöcheln den besten Halt zu geben. Sie retten mich auch vor dem Verdursten.“ Benutzt der erfahrene Abenteurer seine Schnürsenkel am Ende zum Auspendeln versteckter Wasserquellen? „Lustige Idee, vielleicht sollte ich das mal versuchen“, lacht er. „Nein, aber in sehr heißen und kargen Gebirgen begebe ich mich auf die Suche nach feucht aussehenden Felsspalten. Hier findet man manchmal Stellen, an denen Wassertropfen die Spalte hinab laufen. Klemme ich das eine Ende meines Schnürsenkels in die Spalte und das andere in meine Wasserflasche, leite ich Wassertropfen in sie hinein und habe nach einer guten halben Stunde eine volle Flasche!“

Wo sich Millionen Reisende auf der ganzen Welt über weniger Mühsal und allgemein gestiegenen Komfort freuen, lebt Bear Grylls beim exakten Gegenteil so richtig auf: kein gut gefederter Vierradantrieb, kein angenehm klimatisiertes Zugabteil und kein bequemer Sitz im Flugzeug lassen sein Herz höherschlagen – der Überlebensexperte liebt es, seinen Körper zu spüren und ihn den größtmöglichen Anstrengungen auszusetzen. Der Sohn eines Tory-Politikers trainierte schon als Kind Martial Arts und ging früh mit seinem Vater in die Berge. „Das prägte mich sehr“, erinnert er sich. „Durch die Abenteuer mit ihm lernte ich schon früh den Wert des Lebens schätzen. Wie schnell es vorbei sein kann, wenn man falsch handelt. Und wie einfach das Überleben ist, wenn man sich ein bisschen in der Natur zu helfen weiß.“ Von „ein bisschen“ Wissen zu sprechen ist eine maßlose Untertreibung: Wenige Menschen neben Bear Grylls haben solch profunde Kenntnisse und Fähigkeiten. Ob durch eisige Arktis, glühend heiße Sahara oder sumpfigen, feuchten Dschungel – der dreifache Vater besiegt „Mutter Natur“ in ihren unwirtlichsten Gebieten und fesselt dabei durch seine Überlebenskämpfe bis zu 1,5 Milliarden Zuschauer an den Fernseher. Denn ein Fernsehteam ist immer dabei, wenn er gegen Hitze oder Kälte, Hunger oder Durst kämpft. In Deutschland wurde sein bekanntestes Format „Man vs. Wild“ vom Privatsender DMAX unter dem Titel „Ausgesetzt in der Wildnis“ ausgestrahlt.

„Im Dschungel bin ich immer nervös. Das Wasser ist so braun und schlammig, dass man tödliche Schlangen und Krokodile darin kaum sehen kann“, gesteht der 43-Jährige. „Aber extreme Kälte ist auch hart.“ Der Survival-Experte bezwang vor 20 Jahren als jüngster Brite den Mount Everest und hatte sich dabei einige leichte Erfrierungen zugezogen, während vier andere Sportler den Versuch mit dem Leben bezahlten. Die Besteigung des höchsten Berges der Welt war auch deshalb so aufsehenerregend, weil Bear Grylls zuvor durch einen Unfall beim Fallschirmspringen beinahe querschnittsgelähmt wurde. Kaum ein anderer hätte sich nach Monaten quälender Reha-Übungen diese anstrengende Expedition zugetraut. Doch ihm gelang es, er erklomm den Gipfel – und startete im Anschluss mit seiner Fernsehkarriere durch.


Hat er niemals Angst, wenn er in ein neues Abenteuer startet? Nie weiß, was hinter dem nächsten Stein oder Baum lauert? „Oh doch“, grinst er. „Aber Angst lähmt dich, deshalb versuche ich immer, sie zu überwinden. Dabei hilft mir mein Glaube: Jeden Tag beginne ich auf den Knien neben meinem Bett mit einem Gebet. Mein Glaube nimmt mir die Angst, weil ich weiß, ich bin nicht alleine. Er spielt auch eine große Rolle in meiner Liebe zur Natur, denn ich erblicke überall Wunder.“

Viele bekannte Größen aus Unterhaltung und Politik reißen sich regelrecht darum, mit dem Survival-Experten auf Tour gehen zu dürfen. In der Reihe „Running Wild With Bear Grylls“ (deutscher Titel: „Bear Grylls: Stars am Limit“, ebenfalls auf DMAX) nahm er unter anderem Kate Winslet, Mel B, Zac Efron, Ben Stiller, Kate Hudson und Channing Tatum mit auf Tour, neue Folgen kommen ab 17. September. „Um die Folgen des Klimawandels mit eigenen Augen zu sehen, fragte sogar Barack Obama an“, strahlt Bear Grylls. „So sind wir für die Sendung „Running Wild With Bear Grylls“ nach Alaska gefahren und haben zusammen ein paar Tage in der Wildnis verbracht.“ Eine unglaubliche Erfahrung für beide Teilnehmer, die sich sämtliche Klimawandel-Skeptiker ansehen sollten. Auch und gerade bei Reisen lässt sich gut ein Blick auf seinen eigenen ökologischen Fußabdruck werfen, ohne auf allzu viel Komfort verzichten zu müssen. Die wenigsten von uns werden sich mit einem scharfen Messer bewaffnet alleine in die Wildnis begeben wie Bear Grylls. Aber von seinem Respekt gegenüber allem Leben, von seiner tiefen Liebe zu unberührter, unverschmutzter Natur, können sich Millionen Touristen, Reisende und Entdecker auf der ganzen Welt eine Scheibe abschneiden. Hier gilt er vielen als Vorbild – nimm nur das, was Du wirklich brauchst und überlege bei allem, ob du es wirklich brauchst. Ohne überflüssigen Ballast werden Reiseerlebnisse schließlich noch viel intensiver!

Fakten

Edward Michael Grylls wurde am 7. Juni 1974 in Donaghadee (Nordirland) geboren. Als ihn seine Schwester nach der Geburt sah, gab sie ihm den Namen „Bear“. Er studierte in Eton und machte an der University of London seinen Abschluss in Hispanistik.

Mit seiner Frau Shara und seinen drei Söhnen lebt er auf einem Lastkahn auf der Themse und auf St. Tudwals West, einer kleinen Insel vor Wales. Er veröffentlichte etliche Bücher zum Thema „Draußen überleben“, auch einige für Kinder. Seitdem er mit Barack Obama zusammen unterwegs war, klingelt ununterbrochen sein Telefon.

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Journalist

Katja Deutsch

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