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Christina Halbe, eine Praktikerin, die als Quartiersmanagerin an vorderster Front im AWO Fritz-Fries-Seniorenzentrum am Rosterberg in Siegen arbeitet. INVESTMENTS

Pflegereform, was ändert sich 2017?

In ein paar Wochen, zum 1. Januar 2017, ändert sich im Pflegebereich vieles: So werden aus den drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Für diejenigen, die schon Pflegeleistungen beziehen, ändert sich erst einmal nichts, denn die Leistungen werden automatisch in das neue System überführt.

„Ziel der Pflegereform war es, die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen ebenso zu berücksichtigen wie die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Einschränkungen“, erläutert Christina Halbe, eine Praktikerin, die als Quartiersmanagerin an vorderster Front im AWO Fritz-Fries-Seniorenzentrum am Rosterberg in Siegen arbeitet. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sei Teil der Pflegereform, die die große Koalition 2015 mit den Pflegestärkungsgesetzen I und II auf den Weg gebracht habe.

Halbe lobt die veränderte Haltung der Politik, dass nicht mehr der Hilfebedarf in Minuten, sondern der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen der Maßstab der Unterstützung sei. Es werde gefragt, wie die Selbstständigkeit erhalten und gestärkt werden könne und welche Hilfe und Unterstützung die pflegebedürftigen Menschen benötigen. Der Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung bei der Tagesgestaltung, die Möglichkeit der Haushaltsführung sowie die sozialen Kontakte und außerhäuslichen Aktivitäten werden zukünftig im Begutachtungsverfahren festgestellt. „Das ist eine völlig neue Herangehensweise“, erläutert Halbe. Und sie fährt fort: „Um es kurz zu machen: Grundsätzlich ist in Zukunft für die Pflegebedüftigkeit entscheidend, wie selbstständig jemand seinen Haushalt und seinen Alltag bewältigen kann. Zudem sind durch die Neuregelungen vor allem die zunehmende Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, verstärkt berücksichtigt.“

Experten sind sich einig, dass von den neuen Pflegegraden vor allem Kranke profitieren werden, die körperlich fit sind, aber bei alltäglichen wiederkehrenden Tätigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen oder Waschen Hilfe benötigen. So werden die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen ab 2017 sechs Bereiche wie etwa die Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten und Selbstversorgung im Alltag des Patienten prüfen und daraus den Pflegegrad ermitteln.

Christina Halbe sieht bei allem Positiven, was die neue Pflegereform bringt, einen Nachteil, vor allem für die Menschen, die an einer körperlichen Beeinträchtigung leiden. Sie rät ihnen, wenn schon jetzt eine Pflegebedürftigkeit absehbar ist, noch bis Jahresende einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung zu stellen. Auch Menschen, bei denen ein Umzug in ein Pflegeheim demnächst geplant ist, sollten dies noch eventuell bis zum Ende dieses Jahrs organisieren. Bei Einzug in diesem Jahr würden – je nach Einzelfall – noch die höheren Leistungen der jetzigen Pflegestufen I und II gelten.

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Journalist

Frank Tetzel

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