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Viele Kinder und Jugendliche bleiben jahrelang der Freizeitreiterei treu – ob auf einem eigenen Pferd, mit einem Schulpferd oder einer Reitbeteiligung. AKTIVITÄTEN

Pferdeland Deutschland

Ob Profi- oder Turniersport: In Deutschland haben Reiter glänzende Voraussetzungen, um ihrer Leidenschaft zu frönen.

Von den weltweit etwa 60 Millionen Pferden und Ponys leben rund 1,2 Millionen in Deutschland. Damit hat sich die hiesige Pferdepopulation in den vergangenen 40 Jahren vervierfacht. Beachtlich: Rund 1,7 Millionen Deutsche betreiben regelmäßig Pferdesport, ob reitend, fahrend oder voltigierend.

Ein guter Einstieg für das Reiten ist das Voltigieren – eine Sportart, bei der Kinder Übungen auf dem Pferderücken ausüben, während das Pferd an einer Longe im Kreis läuft. Nach dem Voltigieren beginnen viele Kinder und Jugendliche mit dem Reiten und bleiben danach jahrelang der Freizeitreiterei treu – ob auf einem eigenen Pferd, mit einem Schulpferd oder einer Reitbeteiligung.

Anfänger starten zumeist ebenfalls an der Longe. Wie lange diese nötig ist, hängt vom Reiter ab. In der Regel braucht ein Anfänger bis zu zehn Reitstunden, bis er das nötige Gleichgewichtsgefühl hat. Bei ein bis zwei Reitstunden wöchentlich dauert es etwa ein Jahr, bis man sich auf dem Pferd sicher fühlt.

Eine Reitart, die immer mehr Anhänger findet, ist das Westernreiten, das aus den USA stammt. Der Westernsattel gibt Anfängern guten Halt, weil er eher breit ist und vorn einen hohen Knauf hat. Zudem umschließen die speziellen Steigbügel den Fuß besser und geben dadurch zusätzliche Sicherheit. Westernpferde sind Arbeitspferde. Die am weitesten verbreiteten Rassen – Quarter und Paint Horses – sind kleiner als die Warmblüter der klassischen Reiterei. Geritten wird übrigens einhändig. Der Cowboy braucht bei der Arbeit schließlich auch eine freie Hand. Während beim klassischen Reiten permanent durch Schenkeldruck, über das Kreuz und die Zügel Hilfen an das Pferd gegeben werden, gilt für Westernpferde eine Vorgabe so lange, bis sie ein anderes Signal vom Reiter bekommen.

Im Trend sind außerdem Reiturlaube und zunehmend auch Wanderritte. Entsprechend groß ist das Angebot am Markt. Viele Reiter zieht es auch in den Profisport. Wie der Medaillenspiegel internationaler Turniere zeigt, sind die deutschen Reiter die besten der Welt. Sich ganz nach oben durchzuboxen, ist lukrativ, denn es gibt eine Menge Geld zu verdienen. 2014 haben allein in Deutschland etwa 3.500 Turniere stattgefunden, bei denen die Geldpreise eine Rekordhöhe von etwa 32 Millionen Euro erreichten. In der Dressur errangen Liselott Linsenhoff, Dr. Reiner Klimke, Nicole Uphoff und Isabell Werth olympisches Gold.

Auch in der Mannschaft waren die deutschen Dressurreiter häufig vorn: Von 1984 bis 2008 gewannen sie ununterbrochen Gold. Unter den Springreitern gab es ebenfalls vier Olympiasieger: Hans Günter Winkler (1956), Alwin Schockemöhle (1976), Ludger Beerbaum (1992) und Ulrich Kirchhoff (1996). Für die deutschen Springreiter-Mannschaften schlagen sieben Goldmedaillen bei Olympischen Spielen zu Buche. Die Vielseitigkeitsreiter bringen es in der Mannschaft auf dreimal Gold. In der Einzelwertung ließen Hinrich Romeike (2008) und Michael Jung (2012) alle Kontrahenten hinter sich. Sie alle haben ihre Erfolge in erster Linie ihren Pferden zu verdanken. Ein Pferd wird auf immer unvergessen sein: Halla. Ihr Reiter, Hans Günter Winkler, konnte sich beim Preis der Nationen bei Olympia 1956 in Stockholm im zweiten Durchlauf kaum noch im Sattel halten – zu groß waren die Schmerzen infolge eines Leistenrisses, den er sich zuvor zugezogen hatte. Doch die sensible Stute ließ ihren Reiter nicht allein, ging ein angemessenes Tempo und nahm vorsichtig die Hindernisse. Dann das Unfassbare: Winkler und Halla erreichten nach einem Null-Fehler-Ritt das Ziel. Damit hatten die deutschen Springreiter Gold in der Mannschaftswertung gewonnen und Winkler wurde trotz Verletzung Olympiasieger in der Einzelwertung.

In Warendorf, dem Sitz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), wurde eine Straße nach Halla benannt. Außerdem hat man eine lebensgroße Bronze-Plastik aufgestellt, die an die Wunderstute erinnern soll. Und schließlich hat die FN ihr zu Ehren den Namen Halla gesperrt. Das bedeutet: Kein Turnierpferd darf auf diesen Namen eingetragen werden.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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