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Prof. Dr. Ursula Lehr, Vorsitzende der BAGSO LIVING

Langlebigkeit verpflichtet – Prof. Dr. Ursula Lehr

„Der Ruhestand ist nicht zum Ausruhen da! Der Mensch braucht eine Aufgabe.“

Wir leben in einer alternden Welt – oder besser gesagt: in einer Gesellschaft des langen Lebens. Wir erreichen heute ein höheres Lebensalter als Generationen vor uns und sind dabei gesünder, selbstständiger und kompetenter. Diese zunehmende Langlebigkeit ist ein Gewinn, aber auch eine Herausforderung für jeden Einzelnen und die Gesellschaft.

Gesundheit nimmt nicht im Laufe des Lebens ab, sondern will jeden Tag neu erkämpft werden. Hier ist jeder Einzelne gefordert: älter werden – aktiv bleiben!

Aktivität im körperlichen Bereich ist notwendig – aber auch im kognitiven und im sozialen Bereich. Wir müssen in jeder Hinsicht „bewegt altern“ und auch geistig beweglich bleiben. Nachgewiesen ist: Funktionen, die nicht gebraucht werden, verkümmern. Was rastet, das rostet. Wir müssen heute mehr als je zuvor „lernend altern und Altern lernen“. Der Ruhestand ist nicht zum Ausruhen da! Der Mensch braucht eine Aufgabe. Freiwilliges Engagement ist gefragt: „Gutes tun – tut gut!“ Freiwilliges Engagement hilft der Gesellschaft, aber auch den Älteren selbst und fordert sie heraus: Fördern durch Fordern! Der Mensch, der keine Aufgabe hat, gibt sich auf.

Es gibt eine Vielzahl von Alternsformen, aber keine Altersnorm! Je älter wir werden, umso weniger sagt die Anzahl der Jahre etwas über Fähigkeiten, Fertigkeiten, Verhaltens- und Erlebnisweisen aus. Altern bedeutet nicht nur Abbau und Defizit, sondern auch Zunahme und Gewinn von Kompetenzen und Potenzialen – aber auch zunehmende Verletzlichkeit und Einschränkungen, vor allem jenseits des 80. und 90. Lebensjahrzehntes, ein Alter, das immer mehr Menschen erreichen. Doch hier können technische Hilfssysteme dafür sorgen, weitgehende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu erhalten. Allerdings will auch der Umgang mit Laptop oder Tablet gelernt sein, was auch für sogenannte „Hochaltrige“ durchaus möglich ist. Darum: Fange nie an, aufzuhören – und höre nie auf, anzufangen!

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Journalist

Prof. Dr. Ursula Lehr

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