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"Irgendwie gehört mir immer so ein Stück Eis und Schnee" - Katarina Witt

Katarina Witt ist die erfolgreichste Eiskunstläuferin aller Zeiten. Winter und Eis gehören untrennbar zu ihrem Leben – und haben sie so „frisch“ gehalten.

2-4-6-8: Das ist die unglaubliche Karriere der weltbesten Eiskunstläuferin in nüchternen Zahlen. Kati Witt gewann zweimal Gold bei Olympia, viermal die Weltmeisterschaft, sechsmal die Europameisterschaft und achtmal die Nationale Meisterschaft im Eiskunstlauf und wurde dafür frenetisch bejubelt und verehrt. Die Athletin feierte auch danach noch grandiose Erfolge, tourte 15 Jahre lang erfolgreich mit eigenen Eis-Shows durch die Welt und moderierte seit 1991 als Eislaufexpertin bei NBC, CBS, ABC, ARD und ZDF Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Wer so viele Stunden seines Lebens auf dem Eis verbringt, fühlt sich diesem Element sein Leben lang stark verbunden – oder? „Einerseits natürlich schon“, sagt Katarina Witt bestens gelaunt. „Wenn ich zurückblicke, sehe ich mich immer als Wintersportlerin, zu der Eis und Schnee gehören. Deswegen mag ich den Winter. Auf der anderen Seite möchte ich heute nicht mehr frieren.“

Kati Witt wurde in der DDR hervorragend gefördert, konnte im Gegensatz zu Sportlern in vielen anderen Ländern in beheizten Hallen trainieren. Kälte und körperliche Höchstleistungen gehören für die frische und lebensfrohe Eislaufkönigin deshalb genauso zum Winter wie Glücksgefühle. „Dabei habe ich als aktive Athletin die schönen Seiten des Winters eigentlich viel zu wenig mitbekommen. All das ist mir erst viel später geschenkt worden.“ Wenn die Temperaturen nicht mehr so eisig sind, die Sonne scheint, der Schnee glitzert und der knallblaue Himmel nur so leuchtet, dann gibt es nichts Schöneres auf der Welt, als draußen zu sein. „Der Winter ist in den Bergen am allerschönsten“, schwärmt die attraktive Ex-Spitzensportlerin. „Wer sehnt sich nicht nach weißen Weihnachten? So einen romantischen beleuchteten Weihnachtsbaum, auf dem noch ein bisschen Schnee liegt … das wünsche ich mir mal wieder!“

Seitdem sich die Eiskunstlauflegende 2008 von ihren Profikufen verabschiedet hat, ging sie nur noch einmal mit ihrer Nichte auf eine Eisbahn. „Aber da wurde ich angeguckt wie ein Alien“, lacht sie. „Dann sehe ich aus wie alle anderen Anfänger auch, wenn ich mir Schlittschuhe borge und über holpriges Eis laufe.“ Dabei erfreut sich der Eiskunstlauf in den letzten Jahren gerade bei Teenagern immer größerer Beliebtheit.

Wäre sie nicht die ideale Trainerin? Wer schon mit fünf Jahren magisch von einer Eislaufbahn angezogen wurde, sein ganzes Leben hart trainiert hat und so lange an der Spitze stand wie keine andere, der könnte doch bestimmt auch den Nachwuchs zum Erfolg pushen. „Nein“, widerspricht Kati Witt. „In technischen Fragen habe ich zwar immer gerne einen guten Rat gegeben. Aber ich habe mich nie acht oder zehn Stunden täglich auf dem Eis gesehen, wie ich jungen Sportlern sage, wie sie es richtig machen sollen. Immer wieder dasselbe predigen, Tag für Tag. Und dazu eine immense Geduld aufbringen. Geduld haben ja heute die wenigsten jungen Leute.“

Um an die Spitze zu kommen, sind jahrelange Geduld und stundenlanges tägliches Training aber unerlässlich – eine Eigenschaft, die in Zeiten fernsehgerecht produzierter Superstars, Supersänger und Supermodels immer seltener vorhanden ist. Sie kennt alle Ausreden, hat sie selbst alle benutzt – und dann doch mit knallharter Disziplin und Ehrgeiz überwunden.

„Witzigerweise denkt man immer, dass wir Wintersportler nie frieren dürfen“, schmunzelt die attraktive Brünette. „Wenn ich irgendwo mal friere, sagt man mir immer: Mensch, das musst Du doch gewohnt sein!“ Aber weil sie in ihrem Leben schon so viel gefroren hat, mag sie es jetzt gerne kuschelig warm. Im Januar flüchtet das „schönste Gesicht des Sozialismus“ dann auch gern in wärmere Gefilde – um im März oder gar April noch einmal den letzten Rest Winter zu erleben. Ob Skilaufen oder Schneeschuhwandern, wenn der Frühling naht, genießt sie den letzten Schnee doppelt. Eisiger Wind, Schneeregen und Nebel sind dann verschwunden, Sonne und blauer Himmel locken umso stärker nach draußen. „Auf meiner Wunschliste ganz oben steht ein endloser, spiegelglatt zugefrorener See … mit Sonne, ein paar Schneebergen und hoffentlich ein paar Glühweinständen“, lacht sie. Vorbild ist die 1988/89 gedrehte Produktion „Canvas of Ice“ mit Brian Boitano, der mit dem Helikopter in Alaska abgesetzt wurde und einfach loslief – um dort in der grandiosen, sonnigen Kulisse eines riesigen, zugefrorenen Sees, umrahmt von schneebedeckten Gipfeln, mit atemberaubenden Pirouetten und Sprüngen zu bezaubern.

Hoffentlich bezaubert uns der unglaublich fröhliche und sehr charmante Eislaufstar auch bei den nächsten olympischen Spielen wieder als Moderatorin und Expertin. Charme, Witz, Wissen und Schönheit sind Eigenschaften, die man bei Sportmoderatoren sonst selten auf einmal findet – und die doch alle begeistern.

Fakten

Katarina Witt wurde am 3.Dezember 1965 in Staaken geboren und lebt heute nach längerem USA-Aufenthalt in Berlin. Die erfolgreichste Eiskunstläuferin der Welt entwickelt und produziert Eisshows, moderiert TVSendungen und spielt die Hauptrolle in „Der Feind in meinem Leben“. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten: z. B. den Olympischen Orden des IOC, den Bambi, die Legende des Sports und den Emmy 1990 (für den Film „Carmen on Ice“).

1999 ist sie Gründungsmitglied der „Laureus Sports for Good Foundation“, 2005 gründet sie die „Katarina Witt Stiftung“.

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Journalist

Katja Deutsch

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