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Polo – Mehr als Schampus und Society

Polo ist eine der ältesten Sportarten der Welt – doch der Ruf des Sports leidet unter den Begriffen Elitär und schickimicki. Das will Christopher Kirsch ändern. 

Wir haben so viele Reiter in Deutschland, da muss es unser Ziel sein, den Polo Sport auch dort zu etablieren und die Basis zu verbreitern.

30 Kilometer nördlich von Hamburg hat einer der besten Polo-Spieler in Deutschland sein Zuhause gefunden. Christopher Kirsch (49), Nationalspieler, Geschäftsführer einer Eventagentur und Veranstalter der German-Polo Tour zeigt uns das alte Gut aus dem 16. Jahrhundert. Aus Gut Aspern ist ein Zentrum des deutschen Polosports geworden. „Wir haben zwei Poloplätze, Ställe für 60 Pferde und Platz zum Trainieren. Jetzt bauen wir noch eine Halle, damit wir auch im Winter trainieren können“, sagt der mehrfache Deutsche Meister, Christopher Kirsch. 

300 aktive Polo-Spieler gibt es in Deutschland. Doch dem Sport haftet der Hauch des Elitären an. Um Polo spielen zu können, braucht man vier Pferde. Ein gutes Polo Pony kostet bis zu 20.000 Euro. „Es wird besser, aber wir sind noch weit davon entfernt, ein Breitensport zu sein. Wir haben so viele Reiter in Deutschland, da muss es unser Ziel sein, den Polo Sport auch dort zu etablieren und die Basis zu verbreitern“, wirbt Kirsch für seinen Sport. 

Auf Gut Aspern machen sie viel für ihren Sport. So gibt es eine Polo-Schule und Anfänger können im Einzelunterricht die ersten Schritte üben. Weniger Mutige üben zuerst auf dem Holzpferd, Fortgeschrittene können auf Mietpferden, zuerst im Schritt, das Schlagen des kleinen Balles üben. „Es reicht auch schon ein Pferd, um mit dem Polo anzufangen. Damit kann ich rausgehen und trainieren. Wir spielen ja vier Spielabschnitte. Wenn ich also einen Freund mit einem Pferd habe, könnten die beiden sich das teilen. Die Pferde haben nach jedem Chukkar (Spielabschnitt von 7 Min.) Pause, also spielt einer Chukkar 1 und 3 und der andere 2 und 4. So könnten viele mit ihren Pferden in den Polo-Sport einsteigen“, sagt der deutsche Nationalspieler Christopher Kirsch.

Polo ist in Argentinien ein Nationalsport. Adolfo Cambiaso, der beste Spieler der Welt, ist in seiner Heimat bekannter als Lionel Messi. In Deutschland spielt man noch nicht in solchen Sphären, hat es leider auch erst einmal zu einer Polo-WM geschafft. Doch der Nationalspieler ist sich sicher, irgendwann sind sie als Mannschaft wieder mit dabei. Der Polo-Sport wurde Kirsch in die Wiege gelegt. Sein Vater war Polo-Spieler und setzte den Sohn schon früh auf die kleinen und wendigen Polo Pferde. Christopher Kirsch ist aber auch Trainer und hat beim englischen Poloverband „Hurlingham Polo Association (HPA)“ eine 3-jährige Ausbildung zum „International Coach“ absolviert. Die HPA ist die maßgebende Institution für den europäischen Polosport und stellt unter anderem die interkontinentalen Spielregeln auf. Christopher Kirsch hat dort den höchsten Grad, den man als Trainer erreichen kann. Um den Sport in Deutschland bekannter zu machen, hat der Event-Manager die „German-Polo-Tour“ ins Leben gerufen. An sechs Orten wird in Deutschland gespielt und so haben sich viele tausende Zuschauer im Jahr 2017 vom Sport bei den Turnieren begeistern lassen. Unter den Spielern ist auch ein prominenter deutscher Filmstar – Heino Ferch. Ferch ist über seine Frau zum Polo gekommen und spielt auch auf der Tour. Doch Kirsch kennt noch weitere bekannte Polospieler. „Ich durfte im Rahmen meiner Ausbildung auch schon mal gegen Prinz Charles vom englischen Königshaus spielen. Er hatte früher sein eigens Team und war wirklich ein guter und kerniger Spieler. Der ist schon voll zur Sache gegangen. Heute spielen die Royals leider nur noch Charity-Turniere,“ erzählt Kirsch über sein Spiel gegen Prinz Charles.

Die Zukunft für den Polo-Sport sieht Christopher Kirsch sehr positiv. In einer Sportart, die von den Männern dominiert wird, drängen immer mehr Frauen. „Gerade das kann den Kick für den Polo-Sport in Deutschland geben, denn wir haben viel mehr Frauen, die reiten, als Männer. Die Affinität für den Sport wird bei den Frauen immer größer. So es gibt Teams von Frauen und auch schon eigene Turniere. Übrigens Frauen dürfen bei den Männern mitspielen, aber nicht umgekehrt.“

Auch die Jugend hat Christopher Kirsch im Blick. „Der Polo-Verband fördert das sehr stark. Es gibt Turniere für den Nachwuchs und sie wollen das Polo auch in die Schulen bringen. Auch hier, auf Gut Aspern, planen wir für die Jugend eine Polo-Schule. Wir waren auch schon in Argentinien mit ein paar Nachwuchsspielern. Das war für die eine tolle Erfahrung“, sagt Christopher Kirsch.

Zum Schluss zeigt er uns noch einen Teil der Ställe. Sein bester Zuchthengst „Halloween“ hatte gerade sein Training beendet. Kirsch schmust ein wenig mit dem Hengst. Auch das gehört für einen Polo-Spieler einfach dazu.

Fakten

600 v. Chr. gab es die ersten Polo-Spiele im Bereich Pakistan und Iran. Auch die Römer kannten das Spiel, neben dem Kaiserplatz von Konstantinopel gab es einen Poloplatz. Die Briten brachten das Spiel als Trainingseinheit für ihre Kavallerie nach Europa. Argentinien und die USA haben die besten Spieler der Welt.

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Journalist

Jörg Wernien

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