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Gerade in den Großstädten und Metropolregionen nimmt die Nachfrage nach Wohnraum zu. LIVING

Immobilienkauf: Nicht auf das Bauchgefühl verlassen

Im Zeichen niedriger Zinsen suchen viele Anleger sichere Häfen für ihre Geldanlage.

Einer dieser sicheren Orte ist das sogenannte Betongold, kurz gesagt, die Immobilie. Auch wenn der Run auf die Immobile groß zu sein scheint, nach wie vor liegt die Eigentumsquote in Deutschland weit unter 50 Prozent, schlechter als in den meisten anderen europäischen Staaten.

Vor allem in den Großstädten und Metropolregionen hat die Nachfrage nach Wohnraum zugenommen, beobachtet Axel von Saldern, Geschäftsführer der Berliner ImmoInvest Vertriebs GmbH. „Doch der Anlagenotstand und der permanente Zustrom in die städtischen Ballungsgebiete führte in vielen Städten zu enormen Preissteigerungen. Ein weiterer Anstieg ist für viele private Käufer inzwischen kaum noch realisierbar.“

Erschwerend hinzu käme, dass durch die im vergangenen März von der Bundesregierung umgesetzte EU-Richtlinie, die dabei helfen sollte, Immobilienblasen zu verhindern und die die Vergabe von Krediten an bestimmte Bedingungen knüpfte, die Darlehensvergabe fast zum Erliegen gebracht habe. So durften Banken beispielsweise dann keine Kredite mehr ausreichen, wenn die Kunden den Kredit zu Lebzeiten voraussichtlich nicht zurückzahlen werden können. „Diese Regelung hat aus Sicht der Verkäufer dafür gesorgt, dass Banken insbesondere junge Familien und Senioren seltener Immobilienkredite genehmigten“, erläutert der Immobilienspezialist die derzeitige Situation. Auch wenn die Bundesregierung die Kreditrichtlinie in ihrer letzten Sitzung vor Weihnachten entschärft habe und nun beispielsweise mögliche Wertsteigerung der Immobilie bei der Darlehensausreichung mit einberechnet werden können. „Wenn die Bank also davon ausgeht, dass die Immobilie, die der Kreditnehmer erwerben oder bauen will, einen gewissen Wertzuwachs erfahren wird, darf dies in die Kreditwürdigkeitsprüfung mit einfließen.“ Ob das die Lösung des Problems ist, bezweifelt der Immobilienfachmann von Saldern und befürchtet, dass die Darlehensvergabe weiterhin restriktiv gehandhabt werden wird.

Hinzu komme, dass der Markt vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, München leergefegt sei und die Preise in den letzten Jahren horrend angestiegen seien. Für normale Käufer, die etwa ihr Wohneigentum selbst nutzen wollen, gebe es kaum noch entsprechende Bauten. Ähnlich wie die Politik, plädiert er für ein stärkeres Zubauen von bezahlbaren Wohnungen; sowohl im Eigentums- als auch im Mietwohnungsbereich, weil die Nachfrage entsprechend groß sei.

In der derzeitigen Situation warnt Axel von Saldern davor, sich beim Kauf einer Immobilie nur auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Viel zu viele Rechengrößen flössen inzwischen in eine Kaufentscheidung ein. „Und für Otto Normalverbraucher ist schließlich die Entscheidung für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses überwiegend eine einmalige Lebensentscheidung.“

Dabei gebe es natürlich einige Grundregeln, die jeder Immobilienkäufer wissen sollte, doch wenn es um steuerliche Auswirkungen oder die Zins- und Tilgungsrechnung gehe, dann seien viele Käufer überfordert und benötigten entsprechende fachmännische Hilfe.

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Journalist

Frank Tetzel

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