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Hannes Jaenicke, Schauspieler und Umweltaktivist LIVING

Gemütlichkeit ist ein Zustand des Gemütes

Hannes Jaenicke lebt in einer umgebauten alten Scheune am Ammersee. Gemütlichkeit verbreiten bei ihm zu Hause die Menschen, die ihn besuchen – nicht die Kissen. 

Ich habe meine Vermieter von Ökostrom überzeugt.

Wenige Menschen haben das Glück, ihr Leben abwechselnd an zwei Traumorten verbringen zu dürfen. Wenn es sich dabei auch noch auf der einen Seite um ein Zuhause unter der strahlenden Sonne Kaliforniens handelt und auf der anderen einem mit Seeblick in Bayern, ist der Neidfaktor besonders hoch. Hannes Jaenicke, Schauspieler und Autor, hat das Riesenglück, zwischen diesen beiden grandiosen Lebenswelten zu pendeln. Gerade genießt er wieder seine alte Scheune mit Seezugang am Ammersee – in der er übrigens als ganz normaler Mieter lebt.

„Von außen sieht meine Wohnung aus wie eine alte Bauernscheune aus dem späten 19. Jahrhundert“, erzählt der Schauspieler. „Alles ist aus Holz. Aber innen ist sie komplett umgebaut und modern eingerichtet.“ Dass die Ursprünglichkeit erhalten bleibt, war Hannes Jaenicke wichtig, auf keinen Fall sollte sein Zuhause die Anmutung eines sterilen, cleanen Neubaus haben. Die Eigentümer, ein mittlerweile mit ihrem Mieter befreundetes Ehepaar, fanden Jaenicke sympathisch genug, ihn bei Umbau und Sanierung mitreden und -planen zu lassen. Da die typischen Holzelemente der ehemaligen Scheune sichtbar bleiben sollten, wurde das Fachwerk saniert und nicht unter Putz versteckt. Hölzerne Tore waren an Vorder- und Rückseite des Gebäudes angebracht und wurden zu großflächigen Fenstern verwandelt. Im Wohnraum blickt man bis zur 6 Meter hohen Decke. Die Scheunenhöhe ist auch optisch erhalten geblieben, nur für den Schlafraum wurde ein Zwischengeschoss eingezogen.

Bevor er nach Bayern kam, hat Jaenicke lange in Köln in einer alten Möbelfabrik gelebt. Mitgenommen hat er von dort das 100 Jahre alte Klavier seiner Großmutter und eine Handvoll anderer Familienantiquitäten. „Ich habe immer versucht, im Altbau zu leben, ich bin ein totaler Altbaufan und finde es schön, alte Dinge zu erhalten.“ Von einem antiquarischen Museum ist das Zuhause von Hannes Jaenicke allerdings meilenweit entfernt. Viele Möbel gibt es nicht gerade, der Schauspieler liebt es spartanisch und klar. Unordnung mag er ebenso wenig wie dekorativen Plüsch und zugestopfte Ecken.


Foto: Rene Teichmann / Shutterstock.com

Ein riesiges, orangerotes Sofa steht im Wohnraum, über den Fenstern hängen bunte, tibetische Gebetsfahnen, geweiht vom Dalai Lama. Als Kontrast eine schlichte, weiße Küche, die er außer zum Frühstückmachen kaum benutzt. Der überzeugte langjährige Vegetarier kann nämlich nicht kochen und besitzt nur das Minimum an Küchengeräten. „Aber von den ab und zu vorbeikommenden Besuchern lasse ich mich gern bekochen!“

Im Ort sorgen zwei famose Italiener und eine eingeheiratete Frau aus Thailand für kulina-
risches Wohlergehen. Letztgenannte verwöhnt ihre Gäste tagsüber mit ausgezeichneter Thaiküche, die beiden Italiener werden abends zum erweiterten Wohnzimmer. Das winzige bayerische Dorf am See lockt den routinierten Restaurantgeher also mit einem beachtlichen kulinarischen Angebot, zudem öffnet der älteste Bioladen Deutschlands hier immer noch täglich seine Türen.

„Der am häufigsten aufgesuchte Platz in meinem Haus ist gezwungenermaßen der Schreibtisch in meinem Büro. Doch der schönste Ort ist auf meinem Sofa im Wohnzimmer unter dem Giebeldach. Dort liegt man mit Blick auf den See und alte Bäume, schöner geht es kaum.“

Wie hält es der sportliche Schauspieler, der sich auch als engagierter Umweltaktivist einen Namen gemacht hat, mit dem Heizen? „Irgendwann habe ich meine Vermieter von Ökostrom überzeugt. Solarzellen oder Photovoltaik waren aus Denkmalschutzgründen nicht möglich.“ Allerdings fühlt sich der Schauspieler bei Temperaturen wohl, die die meisten wohl eher zum Frösteln bringen würden: Seine Wohlfühltemperatur liegt bei gerade mal 17 Grad. Lieber zieht er einen dicken Pulli an als zusätzlich CO2 durch überflüssiges Heizen zu erzeugen. 

Kann es bei 17 Grad wirklich gemütlich sein? „Es kommt immer darauf an, was man anzieht. Gemütlichkeit ist für mich – ja, was eigentlich? Eine gute Flasche Wein, nette Menschen um mich herum, und gute Beleuchtung, am besten Kerzenschimmer … ich bin Fan von Kerzen und indirekter Beleuchtung.“ Auch ein schlicht eingerichteter Italiener kann gemütlich sein. Der Schauspieler und Autor ist auch begeisterter Segler und findet deshalb Segelboote total gemütlich. „In Gemütlichkeit steckt das Wort ‚Gemüt‘, das sollte man nicht vergessen, ein Wort, das die Engländer nicht haben. Wenn sich also das Gemüt wohlfühlt – dann ist es gemütlich!“

Fakten

Hannes Jaenicke wurde am 26. Februar 1960 in Frankfurt am Main geboren. Er ist seit über 30 Jahren Vegetarier. In seinen Filmen spielt er oft den sportlichen Typ, war auch schon Nazi und Bisexueller, aber noch niemals Mafiosi. Am 16. Januar 2018 wird er in seiner erfolgreichen ZDF-Dokumentarreihe über bedrohte Tierarten zu sehen sein. Diesmal: „Im Einsatz für Nashörner“.

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Journalist

Katja Deutsch

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