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Gemüse ist das neue Fleisch

Die Anzahl der Veganer und Vegetarier in Deutschland steigt, jeder fünfte Verbraucher integriert gelegentlich eine fleischlose Mahlzeit in den Alltag. 

Genuss hat viele Facetten: Fleisch ist immer seltener der Mittelpunkt eines Gerichtes, nach dem sich die Beilagen richten. Vielmehr spielen pflanzliche Produkte zunehmend  eine Hauptrolle auf dem Teller. Das stellt Autorin Hanni Rützler in ihrem Food Report 2018 fest. Der angesagte Verzicht auf Fleisch zeigt sich auch in dieser Grillsaison. “Es landen immer weniger Tierprodukte auf dem Grill“, weiß Sebastian Joy aus der Geschäftsführung der VEBU, einer Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in Deutschland. Dass die rein pflanzliche Ernährung im Trend ist, untermauert eine Befragung des Marktforschungsinstituts Skopos. Danach ernähren sich aktuell 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan, Tendenz steigend. Dazu kommen rund 8 Millionen Vegetarier. Die Unlust auf Fleischprodukte zeigt sich am Umsatz mit vegetarisch-veganen Produkten. Laut dem Marktforschungsinstitut Nielsen stieg der Umsatz 2016 auf 686 Millionen Euro – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zu 2015. 

Zu den häufigsten Gründen für einen Wechsel zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung gehört die Erhaltung der eigenen Gesundheit. Doch die Umstellung muss nicht gleich total radikal sein. Eine Forsa-Studie für das Jahr 2016 ergab, dass etwa jeder fünfte Verbraucher zumindest gelegentlich vegane Mahlzeiten in den Alltag integriert. Und 8 Prozent der Verbraucher steigen zumindest zeitweise auf eine ausschließlich pflanzliche Ernährung um. 

Tatsache ist aber auch, dass viele Deutsche auf den Genuss von Fleischwaren nicht verzichten mögen. Davon zeugen die meterlangen Wurstregale in den Supermärkten. Allerdings sind dort inzwischen auch immer mehr Sorten fleischloser Salami, Lyoner, Leberwurst, Fleischsalate und Currywurst zu finden. Und die treffen als leckere Erweiterung der Speisekarte den Geschmack der Verbraucher. Mit dem Verzicht auf Fleisch tun wir alle aber auch etwas gegen den Klimawandel. Denn die Herstellung von tierischen Nahrungsmitteln verbraucht deutlich mehr Wasser und Energie als die Produktion der gleichen Menge pflanzlicher Nahrung: 70 Prozent des weltweiten Frischwasserverbrauchs geht für die Fleischproduktion drauf. Außerdem wird für das Kraftfutter der Tiere Regenwald abgeholzt. Und schließlich verursacht die professionelle Viehhaltung rund 15 Prozent aller Klimagasemissionen. Das ist mehr als alle Flugzeuge, Autos und Züge zusammen verursachen. 

Bleibt die Frage, was das nächste Mal auf den Grill kommt? Vegane Würste sind unbedingt einen Versuch wert. Oder wie wäre es mit Gemüse-Tofu-Spießen, Paprikaschoten mit Frischkäsefüllung oder gegrillten Couscous-Tomaten?

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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