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Faszination Freeriden

Trend und Adrenalin pur: Immer mehr Wintersportler verlassen die präparierten Pisten und drängen ins Gelände.

Abseits der markierten und kontrollierten Pisten das Ski- und Snowboardfahren in seiner ursprünglichen Form erleben. Spuren im freien Gelände hinterlassen, wo vorher kaum einer war und wo nichts zu hören ist – außer dem eigenen Atem und dem knirschenden Tiefschnee: Immer mehr Wintersportler verfallen dem Freeriden.

Dabei sind die Abfahrten oft so abschüssig wie im Rennsport. Besonderes Können verlangt es den Freeridern ab, wenn Felsen und Steine übersprungen werden müssen. Weitere Grundvoraussetzungen für das Freeriden sind das sichere Beherrschen des Tiefschneefahrens, eine gesunde Selbsteinschätzung, ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Kenntnisse der Lawinenkunde. Denn die Abfahrten im Abseits bergen immer ein gewisses Lawinenrisiko.

Ohne Helm und Rückenprotektor sind Freedrider daher bei ihrem Sport fehl am Platz. Zur Ausrüstung eines Freeriders sollten ferner ein Handy, ein LVS-Gerät („Lawinenpieps“) zur Ortung, eine Lawinensonde und eine Lawinenschaufel gehören. Zusätzlich sind auch sogenannte Airbag-Rucksäcke empfehlenswert: Bei einem Lawinenabgang zieht der Freerider an einer Reißleine. Mithilfe einer Pressluftpatrone werden dann Luftkissen am Rucksack aufgeblasen, die ein Verschütten in den Schneemassen verhindern sollen. Die genaue Handhabe der Hilfsgeräte sowie den Ablauf einer Notfallsituation können Freerider in speziellen Lawinenkursen üben. Dabei ist es unbedingt ratsam, diese Sicherheitstrainings alle paar Jahre wieder aufzufrischen.

Nicht in jedem Skigebiet ist das Freeriden erlaubt. Wild- und Naturschutzgebiete sind beispielsweise auch für Freerider tabu. Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit des Freeridens haben sich in den vergangenen Jahren jedoch viele Wintersportgebiete als Freeride-Zentren herauskristallisiert. Dazu zählen beispielsweise Chamonix und La Grave in Frankreich sowie Alagna Valsesia in Italien. In der Schweiz locken Andermatt, Arosa, Engelberg und Zermatt mit steilen, unberührten Abhängen. Aber auch der Arlberg, Fieberbrunn in den Kitzbühler Alpen, Lech, St. Anton, Dachstein/Krippenstein und das Kitzsteinhorn in Österreich sowie das Dammkar bei Mittenwald in Deutschland bieten Freeridern hervorragende Voraussetzungen, um ihrer Leidenschaft zu frönen.

Auch 2016 findet die Swatch Freeride World Tour (FWT), bei der es immerhin um 467 000 US-Dollar Preisgeld geht, wieder auf einigen der eindruckvollsten Freeride-Hängen der Welt statt. Bei fünf Stopps in fünf Ländern treffen sich die weltbesten Skifahrer und Snowboarder, um sich nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Berg zu messen. Der Tourkalender umfasst „junge“ Austragungsorte wie Vallnord-Arcalis in Andorra am 23. Januar und Haines in Alaska am 17. März sowie traditionsreiche Skigebiete, in denen die FWT schon lange zu Hause ist: Chamonix-Mont-Blanc (6.2.) und Fieberbrunn (6.3.). Diese Kombination verspricht eine actiongeladene Saison voller Spannung und Begeisterung.

Zum Saisonhöhepunkt wird am 2. April das Finale in Verbier am legendären Bec des Rosses in der Schweiz ausgetragen. Alle Veranstaltungen der Freeride World Tour werden live im Webcast übertragen. Man darf also gespannt sein, ob der Freeskier George Rodney aus den USA seinen Vorjahreserfolg wiederholen kann. Er ist das große Vorbild aller jungen Rider, gewann er doch gleich in seiner ersten FWT-Saison die Gesamtwertung.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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