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Harro Füllgrabe ist begeisterter Entdecker – immer wieder. REISEN

Es gibt traumhafte Plätze in der Welt, die ich alle sehen möchte!

Keiner reist so viel wie er, kaum einer kennt so viele Orte auf der Welt. Harro Füllgrabe ist begeisterter Entdecker – immer wieder.

„Die Antarktis ist noch ein weißer Fleck auf meiner Landkarte, da würde ich sehr gerne mal hin, um eine tolle Geschichte zu drehen.“

Woran erkennt man im Flugzeug auf den ersten Blick, wer ganz selten fliegt und wer zu den Vielfliegern gehört? Erstgenannte bekommen beim Einschalten der Triebwerke lautes Herzklopfen und versuchen, aufgeregt aus dem Fenster zu kucken, der Vielflieger lehnt sich entspannt an die Kabinenwand seines Fensterplatzes – und schläft umgehend ein. Harro Füllgrabe, der seit Jahren um die ganze Welt tourt, um spannende Geschichten und Reportagen zu drehen, nutzt die Stunden im Flugzeug am liebsten zur Erholung und um Kraft zu tanken, in der Hoffung, ausgeschlafen und frisch am meist exotischen Zielort anzukommen. „Sowie die Triebwerke losdröhnen, fallen mir unweigerlich die Augen zu“, lacht er fröhlich. „Ich bin schon regelrecht darauf konditioniert bei diesem Geräusch einzuschlafen, so wie ein Pawlowscher Hund.“ Denn nach der Landung erwarten den Moderator samt mitreisendem Team fordernde Abenteuer. Immer wieder gerät er dabei in Situationen, die andere schon lange an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen würden. Bei minus 25 Grad mehrere Stunden durch die menschenleere Eiswüste auf Spitzbergen fahren, zum Beispiel. Wenn dann urplötzlich ein Schneesturm aufzieht, eines der drei Schneemobile an eine Felswand kracht und sich nicht wieder flott machen lässt, würden die meisten von uns schon einen hysterischen Anfall bekommen. Nicht so Harro Füllgrabe und sein Team. Sie verteilten sich eben auf den beiden anderen Schneemobilen und fuhren weiter in Richtung der menschenleeren Hochhaussiedlung Pyramiden, die irgendwo da vorne in der Eiswüste sein sollten. Kein Handyempfang, nur hin und wieder ein GPS-Signal – nichts für Menschen mit durchschnittlichem Bedürfnis nach Sicherheit. Die Gruppe aus Deutschland darf in dem fast unbewohnten Ort bleiben und in einem kalten, menschenleeren Haus der Geisterstadt übernachten. Der aufgeweckte Moderator freut sich trotzdem riesig auf jede neue Herausforderung, denn Reisen bedeutet das unglaubliche Glück, zu entdecken: Landschaften und vor allem Menschen. Menschen, die oftmals in extremen Landschaften leben und auf extreme Art und Weise ihr Geld verdienen. Dabei begegnet er seinen Gesprächspartnern immer mit dem größten Respekt, wenn er für ein paar Stunden in ihre so ganz andere Lebenswelt eintaucht – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Wer das Gefühl hat, sein Job hier in Deutschland sei sehr anstrengend und noch dazu schlecht bezahlt, dem sei die Sendung über „die dreckigsten Jobs der Welt“ von „Mission Wissen weltweit“ ans Herz gelegt. Man spürt Demut und auch Angst, wenn Harro sich in ein enges Kanalloch in der Viereinhalbmillionenstadt Kalkutta zwängt. Sinn und Zweck des Ganzen? Die Arbeit der Goldwäscher einmal auszuprobieren, die so mancher Slumbewohner dort seit Kindesbeinen an täglich verrichtet. Aus dem unfassbar stinkenden, schleimigen Fäkal-Schlick der Kanalisation waschen und sieben die Arbeiter kleinste Goldabfälle heraus, die sie danach mit Salpertersäure und Quecksilber bearbeiten, um die winzigen Klümpchen weiterverkaufen zu können. Von diesem Respekt und dieser Freundlichkeit, die der Extremreporter seinem so fremden Gegenüber entgegen bringt, können sich Touristen grundsätzlich ein kleines Stückchen abschneiden. Seine gute Laune, die er bei all den Unternehmungen zeigt, ist beneidenswert und steckt an. Vielleicht wird er deshalb so schnell von wildfremden Menschen gemocht? Kann sein, dass all die außergewöhnlichen Erfahrungen schlichtweg glücklich machen, auch wenn manches ohne Hintergrundwissen absurd anmutet. An der Golfküste Mexikos auf einem Holzstamm in 25 Metern Höhe kopfüber hängend zum Drehen und Fliegen gebracht werden zum Beispiel. Und wer kann sich vorstellen, tiefgefrorene Grillen in den Mund zu nehmen um damit an einem Weitspuck-Wettbewerb teilzunehmen? Harro konnte es. Beim „Cricket Spitting“ in Michigan stellte er sein Talent so gut unter Beweis, dass er zweiter Sieger wurde. Nur bei dem Angebot, einen lebendigen, auf dem Teller „tanzenden“ Oktopus mit Stäbchen zu essen, musste auch der erfahrene Vielreisende passen. „Das habe ich einfach nicht über mich gebracht“, gibt Harro zu. „Auch wenn es sonst wenige Gerichte gibt, die ich nicht zumindest probieren würde!“ Die kulinarischen Vorlieben des umtriebigen Moderators liegen ganz klar in Italien. „Da bin ich sehr subjektiv, allein wegen des Essens würde ich immer wieder nach Italien fahren.“ Da passt es, dass die Frau an seiner Seite Italienerin ist und beide gerne kochen. Aber jemand, der seit seiner Kindheit privat und inzwischen auch über zehn Jahren für Galileo durch die Welt reist, liebt natürlich auch noch andere Köstlichkeiten. Seine Vorliebe nach scharf und würzig lässt sich mit der Küche Vietnams, Thailands und Kambodschas aufs Köstlichste befriedigen, außerdem stehen Äthiopien und Indien ganz oben auf der Liste seines „best food“. „Je mehr ich von der Welt sehe, desto mehr schätze und liebe ich Europa und vor allem meine Heimat“, sagt Harro Füllgrabe. „Vergleicht man unser Land mit vielen anderen Ländern auf unserem Globus, dann geht es uns verdammt gut. Ich bin schon sehr glücklich, dass Deutschland mein Heimatland ist, in dem ich auch immer bleiben will. Es zieht mich jetzt nicht zwingend zum Leben woanders hin.“ Nach über zehn Jahren Action-Reisen, die ihn an bis zu 250 Tagen pro Jahr um die Welt geführt haben, hat der 42jährige seine „Einsätze“ ein wenig zurückgeschraubt. Um Freundschaften zu pflegen und mehr Zeit mit seiner Freundin und seinem zweijährigen Sohn zu haben. Ändern sich dadurch auch seine privaten Reisen? „Als meine Freundin und ich noch kinderlos waren, sind wir ohne viel Gepäck z.B. nach Bali geflogen. Einfach drauf los, mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken. Mit einem kleinen Kind geht das nicht mehr so einfach, da ist man doch froh, als Basis ein Hoteldach überm Kopf zu haben. Und fliegt dann auf eine griechische Insel oder auf die Kanaren.“ Es kommt aber auch vor, dass der Moderator von einem Job aus Asien zurück nach Deutschland kommt und einige Tage später wieder in die gleiche Richtung fliegt, dieses Mal zum „Urlaub machen“ mit der Familie. Bei den knapp 130 Ländern, die der junge Vater schon bereist hat, wird die Auswahl an Neuem allerdings zunehmend weniger. „Aber wir werden immer wieder etwas finden“, strahlt er. „Auf jeden Fall reisen wir gerne in die Wärme. Wie viele Frauen mag meine Freundin die Kälte nicht unbedingt, daher werden wir wohl niemals Grönland wählen.“ Wohin würde er unbedingt noch einmal reisen? „Die Antarktis ist noch ein weißer Fleck auf meiner Landkarte, da würde ich sehr gerne mal hin, um eine tolle Geschichte zu drehen. Auch Kolumbien ist sehr schön, sofern die politische Situation zwischen Rebellen und Regierungstruppen sich weiterhin entspannt und sie es schaffen, auch in Zukunft aufeinander zu zugehen.“ Was kann er „Normalos“ unbedingt empfehlen? „Namibia finde ich wunderbar, hier hat man die Chance auf fast alles: Wüste, Savanne und eine tolle Tierwelt. Peru ist eine beeindruckende Option, denn man bekommt kulturell sehr viel geboten. Wer hauptsächlich Wärme und Sonne sucht, dem lege ich Abu Dhabi oder Dubai ans Herz. Hier erwartet einen zwar nicht das ganz große kulturelle Programm, aber es gibt relativ günstige und tolle Unterkünfte, wenn man frühzeitig bucht. Aber auch die griechischen Inseln wie Rhodos und Kreta oder das geteilte Zypern sind wunderschöne Optionen. Egal wohin es geht, man kann fast überall sein persönliches Traumziel finden. Man muss sich nur ein bisschen umschauen und offen für Neues sein.“

Fakten

Text: Katja Deutsch Fakten Harro Füllgrabe wurde am 3. Februar 1975 in Aurich geboren, lebte von 1977 bis 1983 in Buenos Aires. 1996 begann er in Köln Sportpublizistik und Kommunikationswissenschaften zu studieren, brach ab und wurde Extrem-Reporter. Er reiste in fast 130 Länder, um dort unter anderem für Galileo spannende Abenteuer zu erleben und veröffentlichte hierzu auch das Buch „Mission Abenteuer: Als Extremreporter um die Welt“. Schon mit seinen Eltern ist er viel gereist und noch immer freut er sich über jede neue Chance, unbekannte Winkel unserer Welt zu entdecken. Harro Füllgrabe lebt mit Freundin und Sohn in München.

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Journalist

Katja Deutsch

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