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Einer der ganz Großen im Reitsport

Daniel Deußer gehört zu den besten Springreitern der Welt. Im April gelang ihm erstmals der Sprung auf Platz eins der FEI-Weltrangliste.

„Ich habe wahrscheinlich schon auf dem Pferderücken gesessen, bevor ich laufen konnte.“

Daniel Deußer stammt aus einer Reiterfamilie – der Vater und die Mutter ritten, die beiden Onkel ebenfalls. Aber Daniel Deußer wurde der Beste und Größte der Familie. „Ich habe wahrscheinlich schon auf dem Pferderücken gesessen, bevor ich laufen konnte“, erinnert sich der sympathische Reiter. Sein erstes Turnier ritt er mit neun Jahren, der gebürtige Wiesbadener trainierte damals im Stall seines Onkels, dem ehemaligen hessischen Meister Helge Deußer. Gerade einmal sechs Jahre sollte es dauern, bis er mit 15 erstmals eine Springprüfung der schweren Klasse für sich entscheiden konnte. Die Liste der großen Erfolge ist seitdem lang geworden. 2013 wurde er in Balve deutscher Meister, startete erstmals in der deutschen Equipe beim CHIO in Aachen und gewann bei den Europameisterschaften im dänischen Herning Team-Silber, alles auf dem Schimmel-Wallach Cornet d’Amour. Am 21. April 2014 erklomm er einen weiteren sportlichen Gipfel: Er wurde mit Cornet d’Amour ohne einen einzigen Fehler nach drei Durchgängen Weltcupsieger in Lyon – ein Sieg, auf den er besonders stolz ist. Gut einen Monat später verteidigte Deußer seinen deutschen Meistertitel, diesmal mit dem neunjährigen Wallach First Class van Eeckelghem. Bei den Weltreiterspielen 2014 in Caen (Frankreich) erreichte Deußer mit Cornet d’Amour im Einzelwettbewerb den sechsten und mit der Mannschaft den vierten Platz.

Seine erste Profi-Station war der Stall von Siegfried Herröder – ein idealer Einstieg für den damals 20-jährigen Reiter, der auf der hessischen Anlage des ehemaligen Nationenpreisreiters eine Lehre zum Pferdewirt absolvierte und dazu fast jedes Wochenende auf Turnieren unterwegs war. Ende 2001 bekam er von Doppel-Mannschaftsolympiasieger Franke Sloothaak das Angebot, bei ihm als Bereiter zu arbeiten. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Ein Jahr später feierte Deußer bei den Europameisterschaften der „Jungen Reiter“ mit dem vierten Platz in der Mannschaftswertung seinen ersten großen internationalen Erfolg. Von Sloothaak habe er sich einiges in punkto Dressurreiten abschauen können und viel über die Kommunikation mit dem Pferd gelernt, so Deußer. Über Sloothaak bekam er auch den Kontakt in den Stall von Jan Tops. In dessen Handelsstall im niederländischen Valkenswaard wurde er ab Sommer 2006 Bereiter und trat damit die Nachfolge des schweizerischen Olympiasiegers Steve Guerdat an. Im April 2012 wechselte er über die Grenze zum Handelsstall des Belgiers Stephan Conter, Stephex Stables in Wolvertem. Der 33-Jährige wohnt gemeinsam mit seiner Freundin Caroline Wauters und der gemeinsamen Tochter Stella, die Anfang dieses Jahres geboren wurde, in der belgischen Stadt Mechelen zwischen Brüssel und Antwerpen – und somit nicht allzu weit von seinem Arbeitgeber entfernt. „Bei Stephex habe ich das Privileg, selbstständig agieren zu können. Ich bin da mein eigener Herr“, berichtet Deußer, der derzeit zehn Turnierpferde im Stall hat. Etwa sieben Pferde reitet er jeden Tag, jeweils mindestens eine halbe Stunde.

Sein Lieblingspferd ist Cornet d’Amour. Wenn er von ihm spricht, dann hört es sich so an, als würde er über einen sehr guten Freund sprechen. „Ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen, auch wenn es mal schwierig wird“, sagt der Springreiter. Cornet sei zwar zu Hause etwas faul und müsse da immer bei Laune gehalten werden. „Aber auf Turnieren ist er aufmerksam, wach und voll da. Ein toller Sportler.“ Damit das auch so bleibt, kümmern sich unter anderem auch Osteopathen und Physiotherapeuten um ihn. Außerdem achtet Deußer peinlich genau darauf, dass Cornet richtig gefüttert wird. Gutes Kraftfutter bildet die Basis dafür, dass der westfälische Schimmel-Wallach weiter Top-Leistungen bringen kann. „In Deutschland haben wir sehr viele schöne und gute Springpferde“, findet Deußer. Dennoch hat er den Eindruck, dass in Belgien mehr auf das Springblut hin gezüchtet werde. Im Ergebnis gäbe es in Belgien viele Springpferde, die sich durch eine herausragende Qualität auszeichnen.

Wenn Daniel Deußer nicht reitet, verbringt er seine freie Zeit am liebsten mit seiner Familie oder auch mal mit Freunden, zum Beispiel, um Formel 1 zu schauen. Doch viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. Denn er ist fast jedes Wochenende auf einem Turnier. Eines der nächsten Highlights ist für ihn die Europameisterschaft, die im August in Aachen stattfindet. Sofern er vom Bundestrainer nominiert wird, rechnet er sich dort gute Chancen aus. „Eine EM-Medaille wäre schon toll“, sagt Deußer. Verdient hätten er und sein Pferd sich einen Platz ganz oben auf dem Treppchen allemal.

Fakten

Fakten

Name: Daniel Deußer
Geburtsdatum: 13. August 1981 in Wiesbaden
Wohnort: Mechelen, Belgien
Familienstand: liiert, eine Tochter
Größte Erfolge:
• Weltcupfinale: 2007 – 2. mit Air Jordan Z, 2014 – 1. mit Cornet d’Amour
• Weltreiterspiele 2014: 4. mit der Mannschaft und 6. im Einzel mit Cornet d’Amour
• EM 2013: 2. mit der Mannschaft und 5. im Einzel mit Cornet d’Amour
• DM: 2013 – 1. Platz mit Cornet d’Amour, 2014 – 1. mit First Class van Eeckelghem

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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