Weekly News

Ein Leben für den Pferdesport

Ihre Pferde und Reiter haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Madeleine Winter-Schulze ist die erfolgreichste Mäzenin im deutschen Reitsport.

„Die Voraussetzungen, um sich international zu behaupten, zeigt sich beim Pferd meist im Alter von fünf bis sechs Jahren.“

„Madeleine Winter-Schulze ist so etwas wie die gute Seele der deutschen Reiterei. Wenn es sie nicht gäbe, dann sähe die Unterstützung von Reitern und deren Pferden in Deutschland ganz anders aus“, ist auf der Internetseite von Ludger Beerbaum, der seit 1979 mit der passionierten Pferdefrau zusammenarbeitet, zu lesen. Und auch seine eigene Karriere habe niemals ohne die Unterstützung der engen Freundin und Vertrauten so stattfinden können. Damit bringt der begnadete Springreiter auf den Punkt, was viele denken. Madeleine Winter-Schulze, die auch mit ihren 75 Jahren noch unermüdlich im Einsatz ist – ob auf Turnieren rund um den Globus für ihre Reiter, die sie „Jockeys“ nennt, oder in ehrenamtlicher Mission – gehört zu den ganz Großen im Pferdesport. Dabei hält sie sich stets bescheiden im Hintergrund, die große Bühne überlässt sie lieber anderen.

Zum Reiten kam sie im Alter von fünf Jahren durch ihren Vater, dem sie, wie sie betont, viel zu verdanken hat. Daher hat sie vor eineinhalb Jahren in Berlin, ihrer Geburtsstadt, die Eduard-Winter- Kinderstiftung ins Leben gerufen. Der zweite wichtige Mann im Leben der erfolgreichen Unternehmerin war ihr Ehemann, Dietrich „Dieter“ Schulze, mit dem sie es Ende der 1970er-Jahre in die Wedemark verschlug. Vor den Toren Hannovers übernahm das Paar damals den Hof des verstorbenen Springreiters Hartwig Steenken in Mellendorf.

Dort lebt Madeleine Winter-Schulze auch heute noch – und hält die Zügel locker, aber beharrlich, in der Hand. Zum Hof gehören außer ihrem eigenen Wohnhaus zwei Reithallen, drei Paddocks und viele Pferdewiesen, auf denen es sich die Stuten, Fohlen und „Rentner“ gut gehen lassen – ein echtes Pferdeparadies! Ein neuer offener Stall für 16 Tiere ist gerade in Planung. In den Boxen stehen derzeit etwa 15 Hochleistungssportler, darunter vier aus eigener Zucht. Zwei Bereiter überwachen das Training, vier Mitarbeiter und Pfleger kümmern sich um die Vierbeiner, ums Haus und den Hof, auf dem immer was los ist. Gerade hat Isabell Werth, die von „MWS“ seit 2001 unterstützt wird, vorbeigeschaut – die beiden Pferdenärrinnen sind ebenfalls längst enge Freundinnen. Auch zu Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, selbst passionierte Reiterin, pflegt sie intensiven Kontakt. Und die Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke gehört ebenfalls zum Kreis.

Viel Zeit, um das Leben in Mellendorf zu genießen, bleibt Madeleine Winter-Schulze allerdings nicht. Pro Monat besucht sie durchschnittlich zwei Turniere, um ihren Jockeys zur Seite zu stehen. Bei Erfolgen freut sie sich mit, bei Misserfolgen leidet sie mit. Auch bei den Olympischen Spielen in Rio war sie „selbstverständlich“ dabei. Als Beerbaum dort bekanntgab, dass er an keinen Championaten mehr teilnehmen werde, war sie bereits informiert. „Ich habe das vorab mit ihm durchgesprochen, er hat den richtigen Zeitpunkt gewählt. Seine Entscheidung habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge akzeptiert“, erinnert sich die unprätentiöse „Grande Dame“ des Reitsports. Ihre Augen beginnen zu leuchten, wenn sie von den „tollen und gut ausgebildeten“ Nachwuchsreitern erzählt, die es hierzulande gäbe. Auch die deutschen Trainer und Ausbilder seien weltweit führend und daher enorm gefragt. „Dennoch schaffen es viele talentierte junge Reiter niemals ganz allein nach oben. Sie brauchen Unterstützung und müssen gezielt gefördert werden. Dazu kommt, dass gute Pferde mittlerweile wahnsinnig teuer sind“, so die Erfahrung der Mäzenin. Grund genug für sie, sich in der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport als Vorstandsmitglied zu engagieren. Auch über die deutschen Züchter findet sie nur lobende Worte: „Wir haben so viele gute Pferde hier, die sich durch Ehrgeiz, Lernwillen, Springvermögen und eine klasse Ausstrahlung auszeichnen. Insofern verwundert es nicht, dass viele davon zu hohen Preisen ins Ausland gehen. Ob ein Pferd die Voraussetzungen mitbringe, um sich international zu behaupten, zeige sich zumeist im Alter von fünf bis sechs Jahren.

Unter den vielen Pferden, die sich in ihrem Eigentum befanden oder befinden – von der „strahlenden“ Bella Rose, über Champion du Lys, Priamos, Goldfever, Gladdys und Satchmo bis hin zu Belantis, Don Johnson, Emilio, Chiara und Castello – sind ihr so einige ans Herz gewachsen. Besonders gern aber erinnert sie sich an Cherie, die sie auch selbst unter dem Sattel hatte – „ein Pferd für meine Seele“. Die Stute war einst Weltmeisterin der jungen Dressurpferde, unter Karin Rehbein gewann sie unzählige S-Dressuren. Umso mehr freut sich „Maddo“ darüber, dass ein zweijähriges Fohlen von Cherie jetzt bei ihr auf der Wiese steht.

Das Reiten hat sie vor einigen Jahren an den Nagel gehängt. „Ich bin in einem Alter, in dem man dankbar sein muss, wenn man noch fast alles kann. Ich werde das Schicksal daher nicht herausfordern“, sagt sie. Auf die Frage, was das schönste reitsportliche Erlebnis gewesen sei, lautet die prompte Antwort: „Dass ich 1972 in der Deutschlandhalle bei der Olympia-Quadrille mitreiten durfte.“ Zu den Erfahrungen, die sie persönlich am meisten wertschätzt, gehört die Tatsache, dass sie nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2008 so viel Unterstützung und Hilfe erfahren habe. „Allein hätte ich das alles hier nicht fortführen können“, sagt die Frau, die selbst ein so großes Herz hat. „Ich habe ein tolles Team und viele wertvolle Freunde um mich herum. Das ist für mich das Glück dieser Erde.“

Fakten

Fakten

Madeleine Winter-Schulze (Jg. 1941) wurde mit 18 Jahren Deutsche Meisterin in der Dressur. 1969 und 1975 errang sie die Deutsche Meisterschaft der Amazonen im Springreiten. Zudem ritt sie in mehreren Nationenpreisen für Deutschland. Sie ist Präsidiumsmitglied der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Vorstandsmitglied der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport. 2004 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Teile diesen Artikel

Journalist

Chan Sidki-Lundius

Weitere Artikel