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ITB Berlin 2017 - Malaysia - AKTIVITÄTEN

Digitale Gimmicks und analoge Begegnungen

Die ITB Berlin hat ihre Bedeutung als führende Leitmesse der internationalen Reiseindustrie erneut unterstrichen.

„Nachhaltige Tourismusentwicklung ist entscheidend für die Zukunft des Reisens und für den ganzen Planeten.“

Grund zur Freude in Berlin: Die Veranstalter der ITB Berlin konnten einen deutlichen Anstieg der internationalen Fachbesucher und eine Rekordbeteiligung von 28.000 Kongress- teilnehmern beim 14. ITB Berlin Kongress verbuchen. Ein Thema, das die mehr als 10.000 Aussteller sowie die rund 109.000 Besucher besonders beschäftigte, war das deutlich gestiegene Sicherheitsbedürfnis auf Reisen. „Die Menschen lassen sich auch in unsicheren Zeiten nicht vom Reisen abhalten. Dafür sind sie bereit, sich entsprechend mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren, um die persönlichen Urlaubswünsche mit den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in Einklang zu bringen. Bei der Umsetzung der eigenen Reisepläne gehen sie bedacht vor und sie setzen deutlich ausgeprägte Anforderungen an die persönliche Sicherheit“, bilanziert Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin. Und weiter: Fremdenfeindlichkeit, Protektionismus, Populismus oder die Errichtung von Barrieren zwischen Ländern seien mit einer wirtschaftlichen prosperierenden Tourismusindustrie nicht kompatibel. Verantwortungsbewusstes Reisen und das von der Welttourismus- organisation (UNWTO) ausgerufene „Internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ waren weitere zentrale Themen auf der weltweit größten Reisemesse. Die Bedeutung dieses stark wachsenden Marktes spiegelte sich vor allem in der Halle zum Thema „Adventure Travel & Responsible Tourism“ wider. Fast 60 Aussteller aus 35 Ländern präsentierten dort ihre Neuigkeiten und Produkte zu Abenteuer-, ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortlichem Tourismus. In der Halle ging es auch darum, wie wichtig Himmelskörper für das Leben auf der Erde sind. Der Nachthimmel bedürfe des Schutzes, finden Dr. Andreas Hänel und Harald Bardenhagen, der eine Direktor des Planetariums im Museum am Schölerberg, der andere CEO von Sterne ohne Grenzen und Leiter des Sternenparks im Naturpark Eifel. Die beiden Astronomen kämpfen gegen Lichtverschmutzung und für natürliche Dunkelheit. Dies nicht nur, weil jede Laterne, die das Universum statt den Boden beleuchtet, Energieverschwendung und unnötige CO2-Emissionen verursacht, sondern auch, weil viele nachtaktive Lebewesen und insbesondere der Mensch Dunkelheit zum Überleben brauchen. So ermöglicht der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus Schlaf und Zellregeneration, taglicht-freie Phasen schützen laut neuester Forschung vor Krebs. Noch viel wichtiger: Der sternenvolle, naturdunkle Nachthimmel ist Quelle für Inspiration, für Fragen nach der Vergangenheit und Zukunft. „Es gibt viele Möglichkeiten, diese natürliche Ressource in touristische Produkte einzubauen“, sagt Bardenhagen, „nicht nur in Destinationen Tausende von Kilometern außerhalb Europas, sondern am liebsten auch gleich nebenan, in Rhön, Eifel oder Havelland.“ Im Fokus der Messe stand Botswana als offizielles Partnerland der ITB Berlin. Der Binnenstaat im südlichen Afrika steht für nachhaltige Tourismusinitiativen, Safaris und Tierschutzprojekte, eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt und ein vielfältiges kulturelles Erbe. Daher gehört Botswana mittlerweile zu einer der attraktivsten Urlaubsdestinationen auf dem afrikanischen Kontinent. Ein ebenso beeindruckendes Land im Osten Afrikas ist Ruanda. Im „Land der tausend Hügel“ sind Feste und Zeremonien ohne tänzerische Elemente unvorstellbar. In Halle verzauberte daher eines der renommiertesten Tanz- und Trommelensembles Ruandas mit dynamischer Musik und ausgeklügelter Tanzchoreografie. Die Vielfalt der Dominikanischen Republik gab es ebenfalls zu entdecken. Am Stand des beliebten Landes entstand echtes Karibik-Feeling mit Merengue- Tänzern, traditionellen Zigarrendrehern, Kunsthandwerk und köstlichen Leckerbissen. Auch am Stand von Sri Lanka war einiges los. Mehr als 133.000 Deutsche machten 2016 Urlaub auf Sri Lanka – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2015. Das Land sei auf dem Weg, das ehrgeizige Ziel von 2,5 Millionen Ankünften bis Ende 2017 zu erreichen, hieß es auf der Pressekonferenz der Destination. Wichtige Wachstumssegmente sind religiöser und Pilgertourismus. Immerhin ist Sri Lanka Heimat einer Reihe wichtiger buddhistischer Stätten. Zudem gibt es auf der Insel acht UNESCO-Welterbestätten, darunter auch die berühmte Felsenfestung von Sigiriya. Ein weiterer Trend, der in sämtlichen Segmenten der Reisebranche Einzug hält und der in allen 26 Ausstellungshallen zu beobachten war: Die Digitalisierung erobert in einem atemberaubenden Tempo das Geschäft mit den schönsten Tagen des Jahres. So konnte die eTravel World aufgrund der großen Nachfrage nochmals um eine Halle vergrößert werden. Insgesamt punkteten die Aussteller mit vielerlei technologischen Innovationen. Ob Virtual Reality (VR)-Brille, Digital- Quiz oder Selfie-Box. Auf eine virtuelle Reise nahm zum Beispiel Nordrhein-Westfalen die Messebesucher mit. Diese konnten am Stand hautnah die fünf UNESCO-Welterbestätten von NRW erleben. Mit der VR-Brille waren der Aachener und der Kölner Dom, die Zeche Zollverein, das Schloss Augustusburg und das Schloss Corvey zum Greifen nah. Auch das Brandenburger Tor-Museum bot einen 360-Grad-Blick. Per Stippvisite mit Brille oder Blick auf das Tablet ermöglichte der Messestand eine faszinierende Geschichtsshow und den Einblick in die Räumlichkeiten des Museums. Hamburg Tourismus setzte ebenfalls auf den VR-Trend. Am Stand der Hansestadt ging es virtuell zum Poetry Slam am Elbstrand sowie hinter die Kulissen des Airports. Einen multimedialen Zugang zu einem vier Meter hohen Modell der Elbphilharmonie gab es auch. Ein Hotel aus Schnee und Eis konnten Besucher anhand einer virtuellen Tour durch das IGLOOTEL in Schwedisch Lappland erleben. Eine der weitesten virtuellen Reisen führte nach Tansania. Der Reiseveranstalter Akwaba Afrika ermöglichte es den Gästen, mit einer VR-Brille in die Schönheit des Landes einzutauchen. Zu den Motiven zählt unter anderem der höchste Berg des afrikanischen Kontinents, der Kilimandscharo. Als „grüne“ Destination im Herzen Europas präsentierte sich Convention & Culture-Partner Slowenien. 60 Prozent der Natur des Landes stehen bereits unter Schutz, das Grundrecht auf sauberes Trinkwasser ist in der Verfassung festgeschrieben. Die Hauptstadt Ljubljana wurde 2016 von der EU-Kommission zur European Green Capital gekürt. Besucher des Landes können grünen Tourismus zum Beispiel bei der Übernachtung in einem Baumhaus erleben oder bei der Ernte von Biogemüse mithelfen. Maja Pak, Direktorin des slowenischen Tourismusamtes, formulierte das Ziel des Landes deutlich: „Unsere Vision ist ein 100 Prozent grünes Slowenien.“ Premiere auf der ITB feierte mit Medical Tourism ein weiteres neues Segment. Aussteller, unter anderem aus der Türkei, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Polen und Weißrussland, präsentierten den Besuchern Neuheiten und Informationen rund um medizinisch begründete Reisen, die sich seit Jahren wachsender Beliebtheit erfreuen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So schätzen manche Menschen die bessere medizinische Infrastruktur einiger Länder oder sie unterziehen sich Therapien, die in ihrer Heimat aus juristischen Gründen nicht angeboten werden, wie etwa Fertilisationsmethoden bei Kinderwunsch. Für David Ruetz, Head of ITB Berlin, hat Medical Tourism enormes Potenzial: „Drei bis vier Prozent der Weltbevölkerung werden in den nächsten zehn Jahren medizinisch motivierte Reisen unternehmen“, sagt er. Mit 200 Sessions und 400 Referenten an vier Tagen unterstrich auch der ITB Berlin Kongress seine führende Stellung als weltweit größte Veranstaltung seiner Art. Aktuelle Themen von geopolitischen Krisen und Katastrophen bis hin zu künstlicher Intelligenz erwiesen sich als Publikumsmagneten. Während in einer Reihe von Zielländern wie der Türkei oder Frankreich aufgrund von politischen Unruhen oder Terroranschlägen die Besucherzahlen teilweise massiv zurückgingen, verzeichneten die Zahlen der weltweiten Auslandsreisen 2016 einen Anstieg um vier Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der World Travel Monitor® von IPK International. Für 2017 prognostiziert Rolf Freitag, CEO IPK International, ein weiteres Wachstum der weltweiten Auslandsreisen um vier Prozent. In einer Sonderbefragung gingen die Marktforscher auch den Auswirkungen von Terroranschlägen auf das Reiseverhalten nach. 45 Prozent der international Reisenden könnten ihre Pläne für 2017 aufgrund von Terrorwarnungen ändern, 16 Prozent erwägen nicht ins Ausland zu reisen beziehungsweise eine Inlandsreise anzutreten. Passend zum Internationalen Jahr der nachhaltigen Tourismus- entwicklung, das die Vereinten Nationen für 2017 ausgerufen haben, wurden auf der ITB die fünf Gewinner der National Geographic World Legacy Awards 2017 bekannt gegeben. Die Gewinner und Finalisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die nachhaltige Tourismustransformation der globalen Reiseindustrie vorantreiben. Jury-Leiter Costas Christ erklärt: „Nachhaltige Tourismus- entwicklung ist entscheidend für die Zukunft des Reisens und für den ganzen Planeten. Die Zeit zum Handeln auf einer globalen Ebene ist jetzt. Die Reise- und Tourismusindustrie basiert darauf, Kultur- und Naturerfahrungen zu bewerben und zu verkaufen. Als solche muss sie eine größere Rolle dabei einnehmen, eben jene Erfahrungen zu schützen, von denen ihr Geschäft abhängt. Wenn er gut geplant und ausgeführt wird, kann Tourismus eine enorme positive Kraft ausüben – vom Schutz gefährdeter Arten bis hin zur Erhaltung von Kultur- oder Naturerbe und der Linderung von Armut.“ Zu den Gewinnern der Awards gehört Cayuga Collection, Costa Rica and Nicaragua. Die Hotel-Kollektion kombiniert Nachhaltigkeit mit experimentellem Reisen in acht Objekten in Zentralamerika. Unter den Preisträgern ist auch die Stadt Santa Fe in New Mexico, USA. Die älteste Hauptstadt eines amerikanischen Bundesstaates sieht die Erhaltung ihres reichen Erbes als Pflicht und als Leidenschaft an. Für die Erhaltung der natürlichen Umwelt wurde North Island auf den Seychellen gewürdigt. Das innovative Projekt Noah’s Ark des luxuriösen Eco-Resorts hat einige der seltensten und gefährdetsten Lebewesen der Seychellen als Teil der Renaturierung von heimischen Lebensräumen wieder erfolgreich in die Natur eingeführt. Weitere Preisträger: das Eco-Resort Lodge at Chaa Creek in Belize und das Slowenische Tourismusamt. Während der ITB Berlin liefen bereits die Vorbereitungen für die nächste Netzwerkplattform der internationalen Reiseindustrie auf Hochtouren: Mit der neuen ITB China wird die Marktposition in Asien weiter ausgebaut und gestärkt. Einige der wichtigsten Reiseunternehmen Chinas werden vom 10. bis 12. Mai auf der bereits ausgebuchten Ausstellungsfläche auf dem Gelände des Shanghai World Expo Exhibition and Conference Center vertreten sein.

Fakten

Text: Chan Sidki-Lundius

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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