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Die Zukunft des Essens und der Lebensmittelerzeuger ist uns wichtig

Interview mit Carlo Petrini, Gründer der internationalen Slow Food-Bewegung

Der Begriff „Qualität“ rückt heute notwendigerweise wieder in den Vordergrund.


Carlo Petrini, Gründer der internationalen Slow Food-Bewegung. Foto: AlbertoPeroli

Welche Bedeutung hat unsere Nahrung heutzutage, und welche Elemente gilt es bei einer aktuellen Analyse in dieser Frage zu berücksichtigen?

In der heutigen Zeit, in der unsere täglichen Kaufentscheidungen von hoher Bedeutung sind – sowohl für die Gesellschaft als auch für unsere Gesundheit und Umwelt – ist es wichtig zu wissen, woher unsere Lebensmittel stammen, wie sie hergestellt werden und von wem.

Gleichzeitig können die Verantwortung und das Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht vom Genuss einer Mahlzeit getrennt werden, nicht nur was den Geschmack angeht, sondern auch im Hinblick auf die Freude am gemeinsamen Speisen und das Gefühl der Zufriedenheit jedes Einzelnen.

Wenn wir das vorherrschende Ernährungsmodell unter die Lupe nehmen, fällt uns dessen hoher Grad an Standardisierung auf. Dieser wiederum wird durch ein System (der Produktion, des Vertriebs und der Produktinformation) unterstützt, welches den Konsum von Produkten fördert, die von ihrer tatsächlichen kulturellen oder geografischen Herkunft vollkommen abgeschnitten sind. Stattdessen wird häufig eine oberflächliche Marketingstrategie verfolgt.

Dies ist im Wesentlichen die Folge der Idee eines globalen Marktes, der die Natur seiner Kontrolle unterwirft, um die Effizienz, die Wirtschaftlichkeit der Massenproduktion und den Konsum zu fördern. Die Folgen dieses Verhaltens für unsere Umwelt und Gesellschaft werden dabei vollkommen außer Acht gelassen. So entstand ein Modell, das auf der Überzeugung basiert, dass sich die regionale Landwirtschaft dem globalen Markt unterzuordnen hat. 

Und deshalb rückt heute notwendigerweise der Begriff der „Qualität“ wieder in den Vordergrund: ein missbrauchtes Wort, das seiner wahren Bedeutung beraubt und für Werbe- und Marketingzwecke trivialisiert wurde. In der Welt des Slow Food wird der Begriff der Lebensmittelqualität mit drei einfachen Worten definiert: gut, sauber und fair. Die Mahlzeit muss ein Genuss für die Geschmacksknospen sein, darf unsere Umwelt nicht verschmutzen und muss fair gegenüber den Produzenten sein. Dies gilt besonders für das erste Glied der Produktionskette, wenn es sich um Rohstoffe handelt.

Aus diesem Grund sollten die Lebensmittel zum Großteil in der Region verbraucht werden, wo sich Verbraucher und Produzenten noch persönlich kennen. Durch das Verkürzen der Vertriebskette und die Entscheidung für ein entsprechendes Kaufverhalten kann jeder Einzelne einen kleinen Beitrag leisten, um das System zu verändern und die Welt, in der wir leben, zu verbessern.

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Journalist

Carlo Petrini

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