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Dirk Müller, "Mr.DAX" INVESTMENTS

Die Gier und Die Angst sind bei der Geldanlage schlechte Ratgeber – Dirk Müller

„Dirk of the Dax“ – das Gesicht zum wichtigsten deutschen Leitindex – verrät, wie man in unseren zinslosen Zeiten trotzdem sein Vermögen mehren kann.

Gute Perspektiven bieten Technologie- und Healthcare-Aktien.

Der 11. März 1999 wird für die Finanzwelt zum absoluten Jubeltag: Oskar Lafontaine tritt als Finanzminister zurück und der DAX schießt daraufhin um sagenhafte 300 Punkte nach oben. Champagnerkorken knallen überall – ein wahrer Freudentaumel erfasst die gesamte Wirtschaftswelt. Die Zuschauer der Fernsehnachrichten sehen hier erstmalig Dirk Müller vor der Kamera, der als amtlich vereidigter Börsenmakler seinen Arbeitsplatz genau unter der DAX-Kurstafel der Frankfurter Börse hat. „Jaaaa!“ Dirk Müller reißt die Arme hoch und schreit vor Glück. Das ist nun 16 Jahre her und inzwischen kennt ihn ganz Deutschland.

Neben seinem aufreibenden Job hat der Börsenprofi drei Bücher geschrieben, spricht in Talkshows und erklärt gut verständlich finanzpolitische Zusammenhänge. Vielen Anlegern fällt es momentan schwer, sich zwischen Anlageformen mit sehr hohem Risiko bei überschaubarer Rendite und Anlagen völlig ohne Rendite zu entscheiden. „Möchte ich langfristig etwas aufbauen, muss mich die momentane Situation gar nicht so sehr irritieren, denn hier bin ich mit Aktien gut aufgehoben“, sagt der Experte. „Schwierig wird dagegen in der Tat eine kurzfristige Geldanlage für ein bis zwei Jahre. Denn hier gibt es nichts, was Sicherheit und gleichzeitig in irgendeiner Form Rendite bringt.“ Der bekannteste Broker Deutschlands rät zu Liquidität in Form von Tagesgeld – da gibt’s zwar auch keine Zinsen, man kann aber jederzeit darüber verfügen. Hat man mindestens fünf bis zehn Jahre Zeit, sind Aktien ideal – für kurzfristige Gewinne taugen sie nicht.

Die Wirtschaft hat sich über viele Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte, nach oben bewegt. Betrachtet man allein die letzten 30 Jahre mit all ihren Kriegen, Katastrophen, Auf- und Abschwüngen, kann man guten Unternehmen heute trotzdem eine wesentlich stärkere Marktposition als vor 30 Jahren konstatieren. Und das wird in 30 Jahren wieder so sein. „Doch das bedeutet nicht, dass es nicht in den nächsten Monaten oder Jahren massive Kursrückschläge geben kann“, so Dirk Müller.

Tagesgeld, Festgeld, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Lebensversicherungen, Rentenansprüche – all das sind zu viele Geldwerte der Deutschen, denen relativ wenige Sachwerte gegenüberstehen. Wobei die selbst genutzte Immobilie auch nur bedingt als Sachwert eingestuft werden kann, denn dieses Geld ist in der Tat immobil, und eine Wertsteigerung nicht zwingend garantiert. Und wer kann schon mal eben seinen Kamin verkaufen, um eine hohe Zahnarztrechnung zu begleichen? 10 bis 20 Prozent des Vermögens sollten „zum Anfassen“ sein, am besten in Münzen aus Gold und Silber. Denn gerade Gold gilt als ewige Währung, als die „Mutter aller Währungen“ und das schon seit 5.000 Jahren. Doch lohnt sich auch ein Blick zu einem „weit entfernten Großneffen“ wie der Regionalwährung Chiemgauer? Dirk Müller nickt begeistert: „Diese Regionalwährungen mag ich sehr gerne! Sie halten ein bisschen Geld im lokalen Bereich – doch was viel wichtiger ist: Die Menschen beschäftigen sich mit dem Geldsystem.“

Der bekannteste Broker Deutschlands rät, den Großteil seines Geldes in Unternehmensaktien zu investieren, von Unternehmen, die bewiesen haben, „dass sie es können“. Idealerweise fängt man schon in jungen Jahren damit an, in einen guten Fonds einzuzahlen, auch wenn es nur kleine Beträge sind. Das ging in den letzten 50 Jahren richtig gut, ganz egal, wann die Aktien gekauft wurden. Der DAX könnte dieses Jahr massiv fallen oder noch weiter nach oben steigen. „Ein alter Grieche hat einmal gesagt: Es kommt nicht darauf an, die Zukunft zu kennen. Es kommt darauf an, auf jede Art von Zukunft vorbereitet zu sein“, erklärt Dirk Müller. Um sein eigenes Geld gut anlegen zu können, hat er im April seinen eigenen Value-Aktienfonds gegründet, den „Dirk Müller Premium Aktien Fonds“. Niemand kann nebenbei 30 bis 40 Firmen im Auge behalten. „Dazu braucht man ein Expertenteam, das den ganzen Tag und das ganze Jahr über nichts anderes tut, als sich diese Firmen anzusehen und sie zu analysieren.“ In seinen Fonds, der sich bewusst an den Grundsätzen von Warren Buffett und Benjamin Graham orientiert, kommen exakt 40 Unternehmen, vorrangig aus den USA und Europa. Findet sich ein neues, wesentlich besseres, fliegt das schwächste hinaus. Ethische Aspekte sind dabei sehr wichtig. „Wir nennen den Fonds bewusst nicht Ethikfonds, weil jeder andere Vorstellungen davon hat. Aber was die Mehrzahl als Sauerei empfindet – Waffen, Agrarprodukte, Monsanto – bleibt draußen!“ Er sichert die Aktien in seinem Fonds wie von ihm empfohlen gegen allzu große Kurseinbrüche ab.

Mr. DAX rät Anlegern, bei einem Fondsmanager darauf zu achten, dass dieser einen aktiv gemanagten Fonds anbietet, nicht nur ein börsengehandeltes, passives Produkt wie ein ETF. Auch wenn letztere gerade sehr empfohlen werden: Im Falle eines Kurseinbruchs geht ein ETF eins zu eins mit nach unten, während ein aktiv gemanagter Fonds die Risiken ganz gut abfedern kann. Bitte keine Zockerei und keine riskanten Wetten! Auch wenn für so manchen Anleger „no risk no fun“ gelten mag – für den lebenslustigen Börsenpopstar ist das der falsche Weg. Gier und Angst sind schlechte Ratgeber – das beherzigt auch einer, der zu den erfolgreichsten seiner Branche gehört.

Fakten

Fakten

Geboren am 25. Oktober 1968 in Frankfurt am Main. Nach dem Abitur Ausbildung zum Bankkaufmann. 1993 Börsenhändlerprüfung. Gründete 2009 die Finanzethos GmbH. Veröffentlichte drei Bestseller. 2015 initiierte Müller einen Fonds zum Vermögensaufbau („Dirk Müller Premium Aktien Fonds“, WKN: A111ZF).

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Journalist

Katja Deutsch

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