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Monty Roberts lebt mit seiner Frau Pat seit 1966 auf der Flag is Up Farm in Solvang, Kalifornien. AKTIVITÄTEN

Der Pferdeflüsterer

Monty Roberts versteht sich als Botschafter für einen respekt- und vertrauensvollen Umgang mit dem Pferd. In diesem Jahr kommt er wieder nach Deutschland.

Da steht er nun, der Haflinger-Wallach, und will keinen Schritt weitergehen. Die vor ihm liegende Plastikplane macht ihm Angst. Monty Roberts beobachtet den Wallach aufmerksam und geht auf das traumatisierte Tier zu. Er richtet das Pferd nach allen Himmelsrichtungen aus, redet beruhigend auf das Tier ein. Dann schickt er den Wallach weg, treibt ihn ein paar Runden durch die Arena. Mit einer Longe bringt er ihn dazu, immer wieder die Richtung zu wechseln. Einige Minuten später beginnt das Pferd in seiner Sprache zu kommunizieren. Ein Ohr richtet sich auf den Mann mit der Schirmmütze, das Pferd läuft kleinere Zirkel, beginnt zu lecken und zu kauen, der Kopf geht nach unten. Der Pferdeflüsterer wendet sich ab. Und dann nähert sich der Haflinger langsam dem Kalifornier – und folgt ihm schließlich sogar über die Plastikplane. „Good Boy”, lobt Monty.

Join-up heißt die Methode, die Monty Roberts entwickelt hat. Seit mehr als 50 Jahren versteht und ”spricht” er die Sprache der Pferde, sagt der Kalifornier, der sich auch als Züchter von Rennpferden einen Namen machte und Bestsellerautor ist. Sein Buch „Der mit den Pferden spricht” wurde zur Vorlage für den Kinohit „Der Pferdeflüsterer”. Sogar Queen Elisabeth II. bestellt ihn immer wieder zu sich, damit er ihre Pferde ausbildet und anschaut. „Was Ihre Majestät für mich gemacht hat, hat mich meinem Lebensziel nähergebracht. Ich möchte die Welt in einem besseren, friedlicheren und liebevolleren Zustand verlassen, als ich sie bei meiner Geburt vorgefunden habe”, sagt der mittlerweile 81-Jährige, der als Kind von seinem Vater jahrelang misshandelt wurde. In der Arbeit mit annähernd 70.000 Pferden habe er viel gelernt. Vor allem, dass Vertrauen so wichtig und Gewalt grundsätzlich fehl am Platz ist.


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Montys Hauptaugenmerk liegt derzeit darin, sein Wissen und seine Erfahrung an die jüngere Generation weiterzugeben. Ruhestand ist nicht sein Ding. Wer ihn live erleben möchte, hat dazu demnächst mehrmals Gelegenheit: in München (31.3.), Elmshorn (7.4.), Redefin (9.4.), Dorsten (20.4.) und Alsfeld (22.4.). Die Pferde, die er in seinen Shows vorstellt, lernt er immer erst kurz vorher kennen. Dazu gehören Tiere, die noch nie einen Sattel getragen haben und lernen sollen, diesen zu akzeptieren, sowie Pferde, die Probleme bereiten, weil sie buckeln oder steigen. Außerdem sind Pferde dabei, die sich weigern, den Huf zu geben oder sich anfassen zu lassen – ein Albtraum für jeden Besitzer, Hufschmied oder Tierarzt, ebenso wie Pferde, die keinen Hänger betreten wollen oder wie Haflinger Angst vor allem haben, was flattert oder auf dem Boden liegt. Sein Konzept versteht Monty Roberts disziplinübergreifend als Ergänzung im Pferdetraining. Durch Verständnis für das natürliche Verhalten eines Fluchttiers sollen sich Lösungswege eröffnen, wo konventionelle Trainingsmethoden oft an ihre Grenzen stoßen. Text: Chan Sidki-Lundius



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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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