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Bio in aller Munde

Die Bio-Branche boomt. Warum die Deutschen vermehrt auf gesunde Ernährung achten – und wie die Branche darauf reagiert.

„Bio muss der Ausgangspunkt sein und Verbraucher-Ansprüche erfüllen.“

Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundes Naturkost Naturwaren (BNN)

Gut 40 Jahre nach Eröffnung der ersten Naturkostläden steckt die Bio-Branche in einem strukturübergreifenden Umbruch. Bio boomt und ist zum Massenmarkt geworden. Satte 1,63 Mrd Euro Umsatz konnte der Naturkostgroßhandel 2016 verzeichnen, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) jüngst bekannt gab. Schon 2015 war Biohandel nach einer Studie des Marktforschers Nielsen das am stärksten wachsende Segment im deutschen Lebensmittelhandel. Von den 93 im Jahr 2015 in Deutschland neu eröffneten Naturkostläden waren mehr als die Hälfte über 400 Quadratmeter groß. Auch die großen Lebensmittel-Ketten inklusive der Discounter erweitern stetig ihre Bio-Linien. Jedes 5. Bioprodukt geht bei Aldi, Lidl & Co über den Tresen.

Die große Nachfrage kann längst nicht mehr mit inländischen Produkten gestillt werden und so werden Bio-Äpfel oder -Fleisch um die halbe Welt geschifft. Eine zweifelhafte Öko-Bilanz. Doch die Umstellung auf Bio dauert Jahre und manche Bundesländer stellen hierfür kaum noch Mittel bereit. Doch worauf ist die stetig wachsende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln begründet? Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundes Naturkost Naturwaren (BNN), sieht im Generationswechsel eine Ursache des Bio-Booms. Vor allem junge Verbraucher legen immer mehr Wert auf gesunde Lebensmittel aus biologischer, regionaler sowie nachhaltiger Produktion. In Zeiten vermehrter Information und Transparenz ist aber nicht nur die Zielgruppe potentieller Eltern bestens informiert über gesunde Lebensweisen – und über die gesundheitlichen Gefahren von Schadstoffen.

Nicht nur die Nachfrage nach Bio steigt, sondern auch die Belastung von Lebensmitteln durch Pestizide. Zwar ist deren Herstellung, Verkauf und Aufbringung durch zahlreiche Gesetze geregelt, aber die Erlaubnis von mitunter bis zu 30 Pestiziden in einem Lebensmittel verunsichert die Verbraucher. Genauso wie die illegale, und nur schwer nachweisbare, Anwendung von Pestiziden. Die Auswirkungen von Schadstoffen auf die Gesundheit sind noch längst nicht ausreichend erforscht, insbesondere hinsichtlich möglicher Langzeitschäden. Von gen-manipulierten Lebensmitteln ganz zu Schweigen.

So kaufen 41% der Deutschen Bio-Produkte wann immer dies möglich ist – wie der BÖLW jüngst veröffentlichte. Im bundesweiten Durchschnitt gibt jeder Deutsche circa 100 Euro im Jahr für Bio-Lebensmittel aus. Allerdings geht der Wunsch nach gesunden Nahrungsmitteln in Deutschland nicht grundsätzlich mit der Bereitschaft einher, dafür auch höhere Preise zu zahlen, wie eine Nielsen-Studie aus 2015 belegt. Was in Zeiten von Discounter-Bio-Produkten aber kein Hindernis für gesunde Ernährung sein muss.

Wer sich mit Bio-Qualität ernähren möchte, müsste noch nicht einmal das Haus verlassen. Der allgemeinen Entwicklung im Lebensmittelbereich folgend, wächst auch die Zahl der Bio-Lebensmittel-Angebote im Internet. Wobei sich der Trend eher auf das Bio-Trockensegment und auf Bio-Weine konzentriert. Auch Bio-Fertigprodukte boomen, insbesondere wenn sie Supergrains wie Quinoa oder andere Superfoods auf ihrer Zutatenliste verzeichnen. Selbst wenn die Zeit zum Kochen fehlt, muss also heutzutage nicht auf Bio verzichtet werden.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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