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Professorin Dr. med. Heidi Olze, Direktorin der HNO-Klinik CVK und CCM an der Berliner Charité WELLBEING

Besser hören für ein besseres Miteinander

Bei massiven Einschränkungen der Wahrnehmung von Sprache und Geräuschen können Hörimplantate die richtige Lösung sein.

„Gutes Hören beeinflusst alle Lebensbereiche.“

„An Gesprächen und am sozialen Leben teilnehmen zu können, unbeschwert Veranstaltungen zu besuchen und gut orientiert zu sein – das beeinflusst die Lebensqualität entscheidend.“ Für Professorin Dr. med. Heidi Olze, Direktorin der HNO-Klinik CVK und CCM an der Berliner Charité, steht dieser Aspekt bei einer Behandlung von Hörstörungen im Vordergrund. Gutes Hören habe Einfluss auf alle Bereiche des Lebens: „Wir beo- bachten den Rückgang von Stress, Depressionen und Ängsten bei unseren Patienten“, erläutert die Medizinerin. Die Verbesserung der Hörsituation sei in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen bis ins hohe Alter selbstständig in den eigenen vier Wänden leben wollten, von besonderer Bedeutung: „Gut zu hören, kann das Herabsenken der kognitiven Fähigkeiten vermindern.“

Wie alle Organsysteme ist auch der Bereich der Sinneszellen vom Alterungsvorgang betroffen: Die nachlassende Sensibilität beeinträchtigt die zentrale Hörverarbeitung. Grunderkrankungen wie Diabetes, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislaufprobleme können die Durchblutung einschränken und damit ebenso zu einer Schwerhörigkeit beitragen wie häufige Mittelohrentzündungen, Medikamente oder Lärm. Bei mittelgradiger Schwerhörigkeit sei ein Hörgerät die Therapie der Wahl, erläutert Professorin Olze. Sie betont, dass ein rechtzeitiger und konsequenter Einsatz wichtig sei: Wer lange Zeit trotz erheblicher Einschränkungen auf ein Hörgerät verzichte, bei dem seien bestimmte Regionen in der zentralen Hörregion nicht mehr ansprechbar. „Was im Gehirn nicht genutzt wird, wird umsortiert“.

Wenn Hörgeräte an ihre Grenzen kommen, doch der Hörnerv und die zentralen Hörareale intakt sind, kann ein Cochlea-Implantat helfen, das die Funktion der Hörschnecke (Cochlea) im Innenohr übernimmt. Es verstärkt den Schall nicht wie ein Hörgerät, sondern wandelt ihn in elektrische Impulse um, die direkt auf den Hörnerv übertragen werden. Das Gerät besteht aus einem äußeren Sprachprozessor, meist hinter dem Ohr getragen, einer Sendespule und einem Empfänger, den die Ärzte unter die Kopfhaut implantieren, sowie Stimulationselektroden, die operativ in die Hörschnecke eingebracht werden und die elektrischen Signale direkt an den Hörnerv übertragen. „Die Form der Hörschnecke bietet sehr gute anatomische Voraussetzungen, um das Implantat einzusetzen“, erläutert Prof. Dr. Olze.

Für die weitere Verarbeitung im Gehirn mache es keinen Unterschied, ob die akustischen Informationen durch die Hörschnecke oder das Implantat zu elektrischen Signalen verarbeitet wurden: Über den Hörnerv gelangen sie auf die zentralen Hörstrukturen und werden im Hirn dekodiert. Mit weitreichenden Folgen für den Patienten: Viele Betroffene, so die Erfahrung der HNO-Expertin, hätten sich aufgrund ihrer Schwerhörigkeit aus dem sozialen Leben zurückgezogen. Wieder mit Freude daran teilzuhaben, sei ein enormer Gewinn: „Die Interaktion mit anderen Menschen geht zu großen Teilen über das Hören.“

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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