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Tim Kröger, Profitkipper, und Frank Horch, Wirtschaftssenator und Freizeitkapitän AKTIVITÄTEN

"Aus dem Segeln schöpfe ich Kraft" – Frank Horch und Tim Kröger

Wirtschaftssenator und Freizeitkapitän Frank Horch traf Profiskipper Tim Kröger in Hamburg zum kleinen Gipfelgespräch über den Segelsport in der Hansestadt.

„Das maritime Cluster in Hamburg ist sehr stark. Ich werde oft darauf angesprochen.“

Herr Horch, stimmt es, dass Sie ihren Kaffee immer mit einer Prise Salz trinken?

Horch: (Lacht) Immer!

Versteckt sich dahinter ein Seemannsbrauch?

Horch: Mein Opa fuhr 35 Jahre auf den Feuerschiffen in der Elbmündung. Das war für mich der Beginn von allem. Dazu gehörte dann auch die Oma mit der Prise Salz im Kaffee, der heute auch bei mir ein Ritual ist.

Sie haben selbst ein Boot...

Horch: Ja, eine Halberg-Rassy. Sie ist mein Lebenselixier. Als Kind habe ich mit meinem Vater ein altes Rettungsboot zu einem Segelboot umgebaut. Später sind wir als Familie mit eigenem Schiff auf Nord- und Ostsee unterwegs gewesen.

Kröger: Meine Geschichte hat ähnlich begonnen. Auch ich bin mit dem Familiensegeln auf dem Wasser groß geworden, habe erst danach das Regattasegeln für mich entdeckt.

Was ist beim Segeln wichtig?

Horch: Zu 40 Prozent Vorsicht. Egal ob auf See, der Elbe oder in der Schleuse. Weitere 40 Prozent sind Erfahrung. Hinzu kommt ein kleiner Teil rein fachlicher Dinge wie Navigation. Das kann aber jeder lernen.

Kröger: Segeln ist eben ein Erfahrungssport. Deswegen hat er auch eine so fantastische Haltbarkeit und ist für alle Generationen machbar.

Sie beide haben auch schon einmal gegeneinander gesegelt...

Horch: (Lacht). Ja, bei der Schifffahrtsregatta – eine wunderbare Initiative der Reederfamilie Gast. Es treffen sich segelnde Manager und interessante Segelpersönlichkeiten zum Austausch. Wir zeigen uns auf See die Kante und tauschen uns an Land zukunftsorientiert aus.

Kröger: Die Schifffahrtsregatta ist ein phänomenaler Kommunikator für Hamburgs maritime Branche.

Was kann ein Wirtschaftskapitän von einem Profiskipper lernen? Und umgekehrt?

Kröger: Ich glaube, dieser Wirtschaftskapitän hat schon alles gelernt (lacht). Im Ernst: Früher hat man anders gesegelt als heute, da war die Hierarchie an Bord ganz spitz. Einer stand am Ruder und hat angesagt, wo es langgeht. Heute werden Boote von Crews mit sehr flacher Hierarchie gesegelt. Alles ist miteinander verzahnt. Das entspricht erfolgreich operierenden Unternehmen. Kommunikation ist ein wichtiges Thema.

Horch: Beziehen wir das auf Hamburg: Unsere Wirtschaft versteht es besser als andere, die Kräfte zu bündeln und erfolgreiche Cluster zu bilden. Das maritime Cluster ist hier sehr stark! Ich werde darauf oft angesprochen: ‚Wie macht ihr das bloß in Hamburg?’

Segel-Incentives werden von der Wirtschaft oft genutzt. Warum gerade Segeln?

Kröger: Weil der Segelsport von Natur aus alle Menschen in ein Boot holt, wo man sich miteinander zum Erreichen des gemeinsamen Ziels auseinandersetzen muss.

Horch: Das ist richtig. Beim Segeln lernt man, dass verschiedene Aufgaben an Bord nur sinnbringend erfüllt werden können, wenn die Abstimmung funktioniert. Setze die richtige Person an die richtige Stelle ins Team, und es wird erfolgreich sein.

In Hamburg wird der deutsche Segelsport im Hauptsitz des Deutschen Segler-Verbandes geprägt...

Horch: Segel-Institutionen und Attraktionen sind sehr wichtig für den Wirtschafts- und Hafenstandort Hamburg. Die Entwicklung des Hafens über 800 Jahre, die ganze Expertise, die Aktivitäten machen den Hamburger Hafen aus. Sie können überall in der Welt große und tiefe Häfen bauen, aber in der Kompetenz und in dem, was den Hamburger Hafen ausmacht, da kommt so schnell keiner ran.

Sind Sie stolz darauf, dass die noch junge, aber sehr erfolgreiche Segel-Bundesliga in Hamburg erfunden wurde?

Horch: Natürlich! Ich freue mich über diesen Boom ‚Made in Hamburg’, der Segelvereine in ganz Deutschland neu belebt.

Kröger: Früher standen im Segelsport meist nur einzelne Akteure im Mittelpunkt. Jetzt entsteht durch die Bundesliga eine ganz neue Dynamik in den Vereinen.

Ist der Segelsport in Hamburg ein Wirtschaftsfaktor?

Horch: Auf jeden Fall! Hamburg ist ein maritimer Standort, dessen Bild vom Segelsport geprägt wird. Segler nehmen aus ihrer Freizeit vieles gewinnbringend mit in die berufliche Tätigkeit.

Kröger: Es gibt so viele gute Drähte aus Hamburg in den Segelsport. Airbus ist z.B. ein Partner im amerikanischen Oracle Team USA.

Wir wünschen Ihnen beiden eine schöne Segelsaison 2016!

Kröger: Danke, die steht bevor! Wir sehen uns hoffentlich bei der Schifffahrtsregatta...

Horch: Ja, das wäre schön! Vielen Dank für das Gespräch!

Fakten

Fakten

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (68) ist im Beruf wie in der Freizeit gerne Kapitän. Olaf Scholz holte den Segler, Ingenieur, Manager und parteilosen Politiker im März 2011 in sein Senatsteam. Profisegler Tim Kröger (51) ist Weltmeister, America’s-Cup-Teilnehmer und Weltumsegler.

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Journalist

Felix Demut

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